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Der 30. Januar 1933 oder Legenden leben längerEine der hartnäckigsten Legenden der jüngeren deutschen Geschichte feiert dieser Tage Geburtstag. Es ist die Rede von der Legende, dass Adolf Hitler durch Wahlen an die Macht gekommen sei. Um es gleich vorweg zu nehmen, ihr bestes Wahlergebnis bei Reichstagswahlen erzielte die NSDAP nach jenem 30. Januar mit 43,9 %.Im November des Jahres 1932 erhielt der damalige, für sein antidemokratisches Selbstverständnis bekannte Reichskanzler Hindenburg einen bemerkenswerten Brief. Unterschrieben war dieser von zahlreichen honorigen Bankiers und Industriellen des Deutschen Reichs. Zum Inhalt hatte das Schreiben die unverholene Aufforderung, die Regierungsgewalt an Hitler zu übergeben. Parallel zu dieser Petition vergewisserte man sich der Zustimmung des gerade amtierenden Reichskanzlers, Herrn von Papen. Dieser ebenfalls nicht sehr republikanisch denkende Mann stimmte zu, in einer Regierung Hitler mitzuwirken. Warum wollten die Mächtigen im Lande Hitler mit seiner NSDAP und seinen Schlägertruppen an der Macht sehen? Die Antwort gab im Prinzip bereits 1930 der Reichsverband der Deutschen Industrie. Er verkündete: "Der Marxismus ist unser Unglück geworden." Hört es sich auch an als sei Karl Marx gemeint, so ist das nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Die Nazi-Partei sank bei den Wahlen im November 1932 von 37,4 % auf 33,2 % ab. Sie verlor einige Millionen Stimmen. Dagegen hatten die Arbeiterparteien zugelegt, vor allem die KPD, die 700.000 Stimmen mehr auf sich vereinen konnte. Das Feindbild war klar. Nicht Marx, der war schließlich lange tot, nein, seine Erben, die linken Parteien, die Gewerkschaften und andere sozialistische und kommunistische Organisationen waren es, die der Industrieverband meinte. Die Faschisten sollten die Millionäre endlich von den Ansprüchen der Millionen befreien. Wie bekannt, lief alles nach Plan. Hindenburg ernannte Hitler und von Papen gab das bürgerliche Feigenblatt ab. Drei Wochen nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler fanden die einzigen Wahlen unter der Herrschaft der Nazis statt. Trotz unvorstellbarem Terror gelang es der NSDAP wieder nicht, die absolute Mehrheit zu erzielen. Sie blieb bei 43,9 % hängen. Nur wenige Tage nach dieser Wahl ließen die Nazis alle kommunistischen Abgeordneten, derer sie habhaft werden konnten, verhaften. Dieses Schicksal teilten auch 26 Abgeordnete der SPD. So kam was kommen musste. Im Reichstag wurde das "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich" ohne nennenswerten Widerstand verabschiedet. Dieses Gesetz, besser bekannt als Ermächtigungsgesetz, setzte die Verfassung außer Kraft und schaltete das Parlament aus. Die Diktatur war geboren. Am Ende hatte die Menschheit 60 Millionen Tote und unfassbares Elend zu beklagen. Nehmen wir den 30. Januar zum Anlass, den Schwur der Überlebenden der 1000jährigen Barbarei zu erneuern: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! |
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