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8. Mai: Befreiung, nicht "Untergang"Einige Anmerkungen zum revisionistischen Hitler-Film "Der Untergang"Die Arbeitslosenzahlen steigen auf Rekordniveau; der Kanzler betreibt brutalen Sozialabbau, schafft die Arbeitslosenversicherung ab und lässt aufrüsten; Industrie und Banken fordern die Abschaffung des gesamten Sozialstaats sowie die Zerschlagung der Gewerkschaften; rechtsextreme Rattenfänger schlagen aus der sozialen Not Profit und predigen Rassen- statt Klassenkampf, was deutsche Konzern- und Bankchefs sowie Großgrundbesitzer mit Millionenspenden honorieren; nicht zuletzt fordern die Rechtsextremisten einen "starken Führer", die Vernichtung von Juden, Linken und weiteren "unnützen" gesellschaftlichen Gruppen sowie die Rückeroberung früher deutscher Gebiete ... Eine Zustandsbeschreibung Deutschlands im Jahr 2004? Nein, hier ist die Rede von Deutschland nach der Weltwirtschaftskrise 1929. 1929/33 und 2004: Staat und Kapital betreiben Sozialabbau ...Heute wie damals möchten Konzerne, Banken und Versicherungen eine chronische Wirtschaftskrise "lösen", indem alle Sozialleistungen abgeschafft werden (BDI-Chef Rogowski, 15.09.2004). In Umkehrung der Wirklichkeit behaupten die Unternehmerverbände, es werde zu wenig und zu teuer produziert. Tatsächlich gibt es nicht zu wenig, sondern zu viele Waren: Die Unternehmen bleiben aufgrund von Lohndrückerei, die ihren Profit kurzfristig erhöht, auf ihren Produkten sitzen. Die Kaufkraft wird zudem durch Sozialabbau ständig weiter gesenkt. So verschärft sich die Krise, Erwerbslosigkeit und Armut nehmen zu. Wie lautete die "Lösung" des deutschen Kapitals und seiner Politiker ab 1929? Ein großer Krieg muss her! .. und rüsten zum KriegDie für das kapitalistische Wirtschaftssystem "überflüssigen" Menschen wurden in der deutschen Rüstungsindustrie eingesetzt und bekamen dadurch vorübergehend Arbeit. Gleichzeitig mit dem auf Pump finanzierten, kurzfristigen Wirtschaftsaufschwung begann das Vernichtungsprogramm der Nazis: Systematisch wurden Juden, Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, bürgerliche und christliche Antifaschisten, Sinti und Roma, Behinderte und Homosexuelle diskriminiert, verfolgt, gefoltert, ermordet. Mit Aufrüstung, rassistischen Gesetzen und faschistischer Gleichschaltung der Gesellschaft bereiteten die Nazis und ihre vielen willigen Helfer ab 1933 Judenmord und 2. Weltkrieg vor - sehr zum Wohlgefallen von Industrie-, Finanzkapital und preußischen Junkern. Angriffskriege, Reichsarbeitsdienst, braune Wahlerfolge Als die Gelder 1939 knapp wurden, zog das faschistische Deutschland in den Krieg. 55 Millionen Menschen mussten sterben, um die Wirtschaftskrise im Sinne des deutschen Kapitals zu beheben. Auch heute sollen wieder mit militärischen Mitteln wirtschaftliche Probleme "gelöst" werden. Die deutsche Armee wird für globale Angriffskriege eingesetzt, zur "Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt" (Verteidigungspolitische Richtlinien der Bundeswehr von 1992, Art. 8.8). Der Reichsarbeitsdienst der Nazis und damit übelste Zwangsarbeit kehrt im "modernen" Hartz-IV-Gewand zurück. Und die Neonazis von NPD und DVU feiern satte Wahlerfolge, indem sie den Sozialabbau aller Bundestagsparteien für ihre menschenverachtende Propaganda nutzen. 8. Mai 1945: Tag des "Untergangs" ...Damit sind wir beim Film "Der Untergang". Der Streifen erzählt aus Sicht der Nazi-Führung deren letzte Tage. Hitler und seine Gefolgsleute werden als nicht unsympathische Menschen von nebenan gezeigt, mit denen man angesichts ihrer Niederlage "Mitleid" haben soll. Nach ersten Presse-Vorschauen lobte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 22.08.2004 die angeblichen, innen- wie außenpolitisch "überragenden Erfolge" des Massenmörders Hitler vor dem 2. Weltkrieg. Die Berliner Zeitung (im Besitz des Nazi-Kriegsgewinnlers Bertelsmann, heute größter Medienkonzern Europas) forderte am 24.08.2004 "Einfühlung in den Führer". Der einst von den britischen Weltkriegssiegern als Anti-Hitler-Blatt gegründete Berliner Tagesspiegel (aus dem Holtzbrinck-Verlag, wie Würzburger Main Post und Volksblatt) nannte am gleichen Tag Hitler "übersterbensgroß" und einen "Held". Der Tod des fanatischen Blutsäufers sei eine "Tragödie", in 200 Jahren werde Hitler eventuell ähnlich anerkannt wie Friedrich der II. Diese unglaublichen, revisionistischen Phrasen stammen nicht etwa aus NSDAP-Blättern wie Völkischem Beobachter und Stürmer oder aus aktuellen rechtsextremen Veröffentlichungen wie der Münchner National-Zeitung, sondern aus der bürgerlichen Mitte. .. oder der Befreiung?Die Sicht der vielen Millionen Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft hingegen fehlt in Zeitungen wie Film. Produzent und Drehbuchschreiber Bernd Eichinger rühmt sogar seine Neutralität: "Es gibt keine Moral" (Telepolis, 07.09.2004). Das Ende des faschistischen Deutschland wird in dem Kino-Machwerk nicht als Befreiung dargestellt, sondern als "Untergang". Diese revisionistische Sichtweise entspricht exakt der Perspektive von Alt- wie Neonazis. Zu befürchten ist, dass der Film vor allem Mitleid und Verständnis mit dem Nazi-Regime erregt, Faschisten in ihrer Ideologie bestätigt und Jugendlichen den Kopf verdreht. Ziel: Entlastung der deutschen TäterWas also bezweckt der Film? Geht es den Verantwortlichen vielleicht um eine nationalistische Weißwaschung der Nazis - sollen "die Deutschen", von denen ein Großteil lange Zeit Hitler unterstützte, "endlich wieder stolz auf sich" sein, entlastet von jeder historischer Verantwortung? Für diese Lesart des Films spricht einiges: Mitglied des Constantin-Aufsichtsrats (die Constantin verleiht den Film) ist der ehemalige ARD-Fernsehspielchef Günter Rohrbach, der schon für die Herstellung des NS-Films "Das Boot" verantwortlich war. Diese Großproduktion spielt in der Hitler-Zeit, wurde von der Constantin in die Kinos gebracht, von der ARD als TV-Mehrteiler ausgestrahlt und warb für Sympathie mit NS-Tätern. Rechtsextremismus in der "Mitte" der Gesellschaft Dies ist typisch für den deutschen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit nach 1990. Zunehmend wird versucht, die Deutschen als Opfer des Faschismus darzustellen und das Nazi-Regime mitsamt seinen vielen Helfershelfern durch Beschuldigung anderer Nationen zu entlasten. Dies begann mit der falschen Behauptung Martin Walsers, die "Auschwitzkeule" solle die Deutschen ihres Nationalbewusstseins berauben. Dann kamen Günther Grass' Novelle "Im Krebsgang" sowie die Bücher des Historikers Jörg Friedrich, die Deutsche vor allem als Opfer unbarmherziger alliierter Kriegsführung darstellten - ohne die deutsche Kriegsschuld und die faschistischen Verbrechen unmissverständlich zu verurteilen. Oder geht es vielleicht sogar darum, die Nazis zu rehabilitieren, um die erneute faschistische "Lösung" einer kapitalistischen Wirtschaftskrise salonfähig zu machen? Im Gegensatz zu diesen revisionistischen Debatten halten wir jedenfalls am antifaschistischen Schwur der befreiten Gefangenen des Konzentrationslagers Buchenwald fest: Nie wieder Faschismus!Nie wieder Krieg!Und da wir Ursachen- statt Symptombekämpfung für entscheidend halten:Smash Capitalism and Racism!V.i.S.d.P.: Rote Antifa Würzburg, Geschwister-Scholl-Str. 1, 97070 Würzburg |
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