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Neonazis rüsten zur Fußball-WM

Politik verharmlost geplante Aktivitäten neofaschistischer Gruppen

Dass die zur Fußball-WM ausgegebene PR-Parole "Die Welt zu Gast bei Freunden" eine Verhöhnung der vielen Opfer rassistischer Alltagsgewalt in Deutschland ist, dürfte kein großes Geheimnis sein. Dass die deutsche Politik, sich jedoch nicht entblödet, sämtliche anlässlich der WM geplanten Aktivitäten neofaschistischer Gruppen zu verleugnen bzw. zu verharmlosen, stellt einen mittelschweren politischen Skandal dar.

Mit deutlichen Worten appellierte selbst die Gewerkschaft der Polizei (GdP) unlängst an die bundesdeutschen Gerichte, während der Fußball-Weltmeisterschaft keine Demonstrationen von Neofaschisten zu genehmigen. Nach Angaben des GdP-Vorsitzenden Konrad Freiberg hätten neonazistische Gruppen bereits fünf Aufmärsche im Zeitraum der WM angemeldet. Aufgrund der "hohen Einsatzbelastung" während der WM, die am 9. Juni beginnt, sei es jedoch für die Beamten nicht zu leisten, die öffentliche Sicherheit rund um die neofaschistischen Demonstrationen zu gewährleisten, so Freiberg weiter.

Neben der NPD, die bereits am 10. Juni in Gelsenkirchen aufmarschieren will, planen auch die militanten "Freien Kameradschaften" verstärkte Aktivitäten rund um die Weltmeisterschaft. Insgesamt vier Aufmärsche sind allein für den Zeitraum zwischen dem 3. Juni und dem 25. Juli in Thüringen angemeldet. Bereits am 3. Juni wollen die Neofaschisten unter dem Motto "Bombenstimmung in Düsseldorf! - Vor dem Spiel ist nach dem Spiel!" in Düsseldorf aufmarschieren. Mit der Formulierung "Bombenstimmung in Düsseldorf" nehmen sie dabei scheinbar bewusst Bezug auf den bis heute ungeklärten Sprengstoffanschlag, der sich am 27. Juli 2000 am S-Bahnhof Düsseldorf-Wehrhahn ereignete und bei dem mehrere jüdische Migranten schwer verletzt wurden.

Allein in der jüngsten Vergangenheit waren verstärkt rassistische und neofaschistische Aktivitäten rund um die Stadien beobachtet worden. So provozierten beispielsweise am 1. April Chemnitzer Fans Anhänger des FC St. Pauli, indem sie diese als "Judensäue" beschimpften und Hakenkreuz-ähnliche Fahnen schwenkten. Ebenfalls Anfang April hatte die neofaschistische NPD mit der Verbreitung eines WM-Planers für Aufsehen gesorgt. Auf diesem war die rassistische Parole "Weiß - nicht nur eine Trikotfarbe! Für eine echte Nationalmannschaft!" zu lesen. Zudem spielte die neofaschistische Partei diesbezüglich auf den deutsch-afrikanischen Nationalspieler Patrick Owomoyela an, da auf dem Titelbild ein Trikot der deutschen Fußballmannschaft mit der Nummer 25, also der Nummer von Owomoyela, zu sehen war.

Während Antifaschisten vor einer deutlichen Zunahme rassistischer Gewalt während der Weltmeisterschaft warnen, sieht die etablierte Politik jedoch scheinbar keine Notwendigkeit, die Neofaschisten gezielt zu beobachten und die von ihnen geplanten Aktivitäten zu verhindern. Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD), sah sich unlängst nicht in der Lage, Gerüchte, wonach die NPD die Fußballmeile an der Straße des 17. Juni in Berlin für ihre Zwecke missbrauchen wolle, zu bestätigen. Auch geplante neofaschistische Aktivitäten, die gerüchteweise rund um das Spiel Deutschland gegen Polen am 14. Juni in Berlin stattfinden sollen, seien nicht bekannt. Antifaschisten wollen unterdessen in verschiedenen Städten antirassistische Notruftelefone einrichten, um Opfern rassistischer Übergriffe schnell Hilfe leisten zu können und den Nazis keinen Fußbreit zu überlassen.

Markus Bernhardt, UZ - Unsere Zeit, Zeitung der DKP

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