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Presseerklärung der DKP Thüringen zum Amoklauf in Erfurt

Erneut hat das kapitalistische System seine Unfähigkeit bewiesen, die grundlegenden sozialen Probleme zu lösen. Welche Ausweglosigkeit muss sich einem jungen Menschen darbieten, dass er zu so einer furchtbaren Tat fähig wird?

Wir verachten die Verhältnisse, die aus Jugendlichen Mörder machen. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und bei den Eltern des Täters, die in diesen schweren Stunden auf eine widerliche und hysterische Art und Weise von den Medien belagert wurden und werden.

Robert S. verzweifelte an einem "Schulsystem", welches die Verhältnisse auf den Kopf stellt. Strauchelt man an den Anforderungen des Abiturs, sieht das Thüringer Schulgesetz keine Möglichkeit vor, das Gymnasium mit einem Realschulabschluss zu verlassen. Statt dessen kratzen Politiker aller Couleur der sogenannten etablierten Parteien wieder nur an den Symptomen herum.

Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, kennen ein Bildungssystem, das diese Bezeichnung auch verdient. Es garantierte ein hohes Bildungsniveau für alle innerhalb der zehnklassigen Oberschule. Niemand war gezwungen, das Abitur abzulegen, nur um an eine Lehrstelle heranzukommen. Probleme des einzelnen Schülers wurden meist durch den engen Kontakt zwischen Elternhaus und Schule vorzeitig erkannt und zu großen Teilen gelöst.

Robert S. war Mitglied eines Sportschützenvereins. Wir stellen hier die Frage, was reine Mordwaffen wie diese so genannte Pumpgun mit Sport zu tun haben! Warum werden derartige Waffen, die dem effektiven Töten in kürzester Zeit dienen, vom Schützenbund zugelassen? Die verheerende Allianz zwischen Waffenlobby und Schützenvereinen muss durch wirksame gesetzliche Regelungen aufgebrochen werden! Waffen haben in unkontrollierter privater Hand nichts zu suchen. Wir fordern, dass Schusswaffen nicht in privaten Haushalten gelagert werden dürfen. Die Schießsportvereine müssen dafür Sorge tragen, dass Schusswaffen dort unter Verschluss gehalten werden.

Die DKP Thüringen betrachtet diese Wahnsinnstat nicht nur als menschliche Verfehlung eines einzelnen Täters, sondern als Produkt der gesellschaftlichen Ursachen. Diese gesellschaftlichen Verhältnisse gilt es zu ändern.

DKP Thüringen am 2. Mai 2002 Henner Görisch, stellv. Vorsitzender David Fehlow, Pressesprecher

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