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(unbekannter Dichter aus der DDR) Legionär Bush sucht Osama bin Laden und findet ihn nicht. Dabei ist es so einfach, denn bin Laden ist überall. Präsident Bush sieht sich in einem Krieg - recht hat er; er will einen Kreuzzug führen, das darf man ihm glauben. In einem Punkte verschweigt er die Wahrheit, sein derzeitiger Krieg begann nicht erst jetzt. Die Anfänge sind früher, Mittelamerika, vielleicht erinnert man sich. Eine Spiegel-Montage der damaligen Zeit zeigt Präsident Reagan alias Bush, wie er mit Stahlhelm in Deckung liegt und sein MG durchzieht. Dort etwa entstand Osama bin Laden. Er ist der Rächer der Toten von Panama City, die in amerikanischem Napalm verbrannten, der Menschen Grenadas, die sich mit Flinten gegen die Eindringlinge wehrten, und der Nicas, die man mit Krieg überzog. Bin Laden ist Somalier, Sudanese, Lybier und Iraker, er ist der Krüppel in Mogadischu, er war Arbeiter in der zerstörten Pharmafabrik des Sudan, er ist der Vater der in ihren lybischen Zelten von US-Bombern verstümmelten Kinder, und er ist einer der von US-Bulldozern und Gasbombern lebendig begrabenen und vergasten Soldaten Iraks. Bin Laden lebt in Haiti, er ist der Freund der Jungen, die dort von US-Rambos ermordet wurden aus Übermut. Er ist der Bruder des Belgrader Rundfunkreporters, er während seiner Arbeit durch US-Bomben starb. Und bin Laden ist natürlich Afghane, der die Zeltlager rächt, die von den cruise missiles der Ungläubigen zerfetzt wurden. Aber um die Wahrheit zu sagen, bin Laden bin ich. Ich, der ich keiner Fliege was antue, mich jetzt aber weigere ("no justice, no peace"), die alten Wahrheiten zu vergessen und zur Tat schreite. Bin Laden, das ist der unbekannte Vater der unbekannten Kinder, die als Folge der US-Politik verhungern. Er ist der Ehemann der unbekannten Frau, die darüber wahnsinnig wird, und der sich nun vorstellt, er hätte Atomwaffen (wenn nicht jetzt dann bald) und sich überlegt, wie und wo er die einsetzt. Und der darüber nachdenkt, welchen Namen er seinem Rachefeldzug wohl gibt. - Ähnlich den Amerikanern, die es lieben, ihren Kreuzzügen poetische Namen zu geben, "Wüstenrose" und "unendlicher Sieg". Präsident Bush führt Krieg. "Wir werden diesen Krieg gewinnen, wir müssen ihn gewinnen. Wir haben dermaßen viel auf dem Kerbholz, daß wir den Krieg gewinnen werden, weil wir ihn gewinnen müssen". In einer ähnlich misslichen Lage wie seinerzeit Goebbels sieht sich derzeit Legionär Bush, der sich Milliarden Menschen auf der Welt zu Gegnern machte und nun Angst vor den Folgen hat. Es ist an der Zeit, den Realitäten ins Auge zu sehen. Die Nazis seinerzeit wollten Europa nicht zerstören, sie wollten es nur beherrschen und nach ihrem Bild formen. Die Amerikaner haben die Fähigkeit, die Welt zu zerstören, und ich bin pessimistisch, ob wir in der Lage sind oder auch nur bereit, sie daran zu hindern. Zu Zeiten "uneingeschränkter Solidarität" ist gut, sich einiger altertümlicher Wahrheiten sicher zu sein.
(unbekannter deutscher Autor) |
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