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Komitee für Grundrechte und Demokratie, Aquinostr. 7-11, 50670 Köln Tel.: 0221 / 97269-30; Fax: -31Offener Brief an die rot, grün und naturfarbene FriedensbewegungBetr.: Ludger Volmers Erfindung des Bellipazifismus als Aufgabe der Friedensbewegung Ihr vielfarbigen Freundinnen und Freunde,der heutige Staatsminister im Auswärtigen Amt Ludger Volmer warf in Zeiten des Bellizisten-Pazifisten Streites während des Bosnien-Krieges 1995 seinem Parteifreund Fischer vor, Grundüberzeugungen über Bord zu werfen und mit der Befürwortung militärischen Eingreifens "ein Interventionist" zu sein. (taz 12.8.95) Heute ist aus dem einstigen Kritiker ein Verfechter von Militärinterventionen geworden. Trotzdem möchte er sich weiter als Pazifist verstehen -eben als Bellipazifist. Er schreibt:"Pazifismus heute kann militärische Gewalt als Ultima Ratio, als letztes Mittel, nicht leugnen, kämpft aber für die Prima Ratio, die zivilen Mittel der Krisenprävention." (FR 7. 1. 2002). Hat also Helmut Kohl doch recht gehabt hat, als er die Bundeswehr als die größte Friedensbewegung Deutschlands bezeichnete? Konsequenterweise sollte nun aus dem AA der Aufruf folgen: "Friedensbewegte, tretet ein in die Bundeswehr" und ab in den anti-terroristischen Terrorkrieg! Nachdem Volmer den Religiongsgemeinschaften die Leviten gelesen hat: " Doch sie wissen, dass Ethik nicht in eine einzige Handlungsmoral zu übersetzen ist. Das tun nur religiöse Fundamentalisten. Wer keinen Gottesstaat will, lässt der Politik die Freiheit der Entscheidung,..."(ebd.), wendet er sich dem "politischen Pazifismus" zu. Dieser habe auf verschiedene historische Situationen Antworten gegeben, die heute nicht mehr nützten. Nun aber sei eine neue Situation gegeben: "Massenvernichtungswaffen in den Händen von Terroristen - das ist die neue Gefahr....". Sonderbar und etwas weltfern fügt der Minister hinzu:" Die Parole "Kampf dem Atomtod' wird Al Qaeda wenig beeindruckt haben." Volmer verbittet sich auch, die militärische Bekämpfung des "Terrorismus' zu kritisieren: "Doch es ist verblüffend, welche Verdrängungsleistungen manche Pazifisten aufbringen, um das bisherige Weltbild gegen neue Erkenntnisse abzuschotten....Man lehnt sich zurück und kritisiert die Strategie, prangert die an, die beim Kampf gegen den Terror auch Unschuldige treffen. Unversehens werden antiimperialistische Muster neu aufgelegt - Opfer zu Tätern erklärt." An dieser Stelle mag manchem die Frage auftauchen, ob hier nicht Kritiker des Bombardements unter den Verdacht gestellt werden, heimliche Sympathisanten der Terroristen zu sein? Und aus der fernen Zeit des Kalten Krieges hört man das Echo: Geht doch nach drüben! Nachdem dann der Minister dem politischen Pazifismus die Aufgabe zugeteilt hat, sich für das Primat der Politik und die Unterordnung militärischer Schritte unter politische Strategien einzusetzen, kommt er zu der verblüffend optimistischen Feststellung:"Noch nie waren die Aussichten so groß, dass sich die internationale Staatengemeinschaft auf Methoden zur Krisenprävention und zivilen Konfliktbearbeitung verständigt." Und weiter: " In der Weltinnenpolitik treffen sich die Gedanken der etablierten Aussenpolitik und eines neuen politischen Pazifismus. Sollen die alten Pazifisten ausgerechnet jetzt aus der Politik aussteigen, nur weil militärische Mittel nicht ganz verzichtbar sind?" (ebd.) Die Botschaft des grünen Ministers ist eindeutig, Pazifisten sollen die rot-grüne Aufrüstungspolitik im Rahmen der EU und der Nato sowie die deutsche Beteiligung an militärischen Interventionen mittragen, sollen erkennen, dass die früheren pazifistischen Grundlagen der grünen Partei nicht zerstört, sondern in einer neuen Form, militärisch modernisiert, erhalten geblieben sind. Doch ehe sich jemand für den kurzen Marsch in den Bellipazifismus entscheidet, sollte er zumindest die folgenden Fragen bedenken.
Bitte, verbreitet diesen offenen Brief, diskutiert ihn und wenn Ihr mögt, schreibt uns Euere Sicht. Freundlich grüßend Dr. Volker Böge Theo Christiansen Dr. Andreas Buro (Geschäftsführender Vorstand des Komitees) (Friedenspolitischer Sprecher) |
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