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Junge Welt 13.12.2003 InterviewJW.: Irak-Kriegsgegner von Bild-TV vorgeführt: "Panorama" unter falscher Flagge?Interview: Rüdiger GöbelJoachim Guilliard arbeitet im Antikriegsforum Heidelberg. Im PapyRossa-Verlag erscheint in diesen Tagen das von ihm mit herausgegebene Buch »Irak - Krieg, Besetzung, Widerstand« F: Das ARD-Magazin Panorama strahlte am Donnerstag abend einen Beitrag aus über den irakischen Widerstand und dessen mutmaßliche Unterstützung durch die hiesige Friedensbewegung. Sie wurden dort als Terrorpate und Saddam-Freund am Neckar diffamiert. Wie kam es zu Ihrer Beteiligung an der Sendung »Spenden für den Terror - Deutsche unterstützen Attentäter im Irak«? Der Fernsehjournalist John Goetz besuchte uns in Heidelberg und behauptete, er mache für das ARD-Magazin Monitor eine Reportage über die Friedensbewegung nach dem Irak-Krieg. Er wußte, daß weder ich noch andere aus unserem Antikriegsforum für Panorama nicht zur Verfügung gestanden hätten. Das Interview mit mir dauerte ca. 90 Minuten, wobei er sich am Ende auf die Kampagne zur Unterstützung des bewaffneten irakischen Widerstands konzentrierte und immer wieder nachbohrte, obwohl ich ihm zu erklären versuchte, daß diese Frage in der deutschen Friedensbewegung keine Rolle spielt. Aus diesen vielen Versuchen wurden nun zwei Sätze völlig aus dem Zusammenhang gerissen und gesendet. So hatte mich Goetz beispielsweise gefragt, ob denn der bewaffnete Widerstand angesichts der Übermacht des Gegners Sinn macht. Meine Antwort darauf, daß sich die Guerilla zu Recht Chancen ausrechnen kann, wenn sie den US-Truppen viele Verluste zufügt, klingt im Beitrag, durch entsprechenden Schnitt zweier Sätze, so, als würde ich jeden Iraker dazu auffordern, möglichst viele US-Soldaten zu töten. F: Panorama segelte in Heidelberg unter falscher Flagge und produzierte Bild-TV? Es ist klar, daß wir hier reingelegt wurden und es sich von Anfang an um eine gezielte Kampagne zur Diffamierung der Friedensbewegung handelte. Dafür bürgt auch der Mitautor Ivo Bozic von der »antideutschen«, US-Kriege befürwortenden Wochenzeitung Jungle World. Als ich erfahren hatte, daß die Interviews nicht für das kritische Magazin Monitor, sondern für Panorama sind, habe ich deren Verwendung sofort untersagt. Ich werde den Presserat dazu anrufen. F: Wie stehen Sie nun zum irakischen Widerstand? Der Hauptskandal des Panorama-Beitrages liegt weniger in der Täuschung, sondern darin, daß sich ein Magazin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf so skandalöse Weise auf die Seite derer stellen kann, die den Irak völkerrechtswidrig überfallen haben. Schließlich sind dabei mindestens 10 000 Zivilisten und mehrere zehntausend Soldaten getötet worden. Angriffe auf Besatzungstruppen werden auf die gleiche Stufe gestellt, wie die auf Zivilpersonen oder Hilfsorganisationen und die Frage des Widerstands allein auf den militärischen reduziert. Ich plädiere für Differenzierung. Die angeprangerte 10-Euro-Kampagne z. B. spricht im Aufruf von der Unterstützung beim Aufbau »einer breiten und vielfältigen Bewegung«. Im Interview mit Goetz, wie in meinen Artikeln zum Thema (u. a. im Internet unter www.antikriegsforum-heidelberg.de zu finden) wird einer Einigung der wichtigsten gesellschaftlichen Kräften im Irak - über ideologische und konfessionelle Grenzen hinweg - und dem zivilen Widerstand Vorrang eingeräumt. Die internationale Unterstützung für das Besatzungsregime hingegen, worauf die Panorama-Redaktion letztlich abzielt, verlängert das Leiden der Menschen im Irak - der Iraker und auch der ausländischen Soldaten. |
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