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Harold Pinter kritisiert Nato und USA

Kesten-Preis: Kontroverse nach Ehrung

Der britische Dramatiker Harold Pinter (71) hat angesichts der Bombardierung Afghanistans schwere Vorwürfe gegen Europa und die USA erhoben. "Die europäischen Regierungen lassen sich von den USA erpressen und bestechen", sagte Pinter gestern in Berlin nach der Verleihung der Kesten-Medaille. Die USA bezeichnete Pinter als "ein extrem gefährliches und mächtiges Tier", dem im "feigen Europa" nur "besonders tapfere Politiker" widerstehen könnten.

Pinter erhielt die mit 20 000 Mark dotierte Kesten-Medaille von der Schriftstellervereinigung PEN Deutschland und dem Land Hessen. Daid, Präsident des deutschen PEN-Zentrums, hob bei der Feier hervor, Pinter habe weder in seinen Dramen noch in seinem Leben den Kompromiß gesucht: "Sie haben immer die Heuchelei genannt, ohne Rücksicht auf das Protokoll oder den guten Ton."

Den seit Juni andauernden Prozess gegen den serbischen Ex-Diktator Slobodan Milosevic nannte Pinter ein "Nato-Siegergericht", das "unmöglich als unparteiisch" betrachtet werden könne. Milosevic steht in Den Haag unter Anklage des Völkermordes vor einem Tribunal der Vereinten Nationen. Die "Gesellschaft für bedrohte Völker" trat Pinters Kritik an dem UN-Gericht scharf entgegen und sprach sich gegen seine Ehrung aus. Für ehemalige Häftlinge serbischer Konzentrationslager seien Pinters Äußerungen ein "Schlag ins Gesicht", monierte die Menschenrechtsorganisation in einer Erklärung. (dpa)

Darmstädter Echo, 19.11.2001

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