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»Dem Genossen André Brie gewidmet«Ein Text von Robert SteigerwaldWir dokumentieren einen Text Robert Steigerwalds, den der Autor mit »dem Genossen André Brie gewidmet« überschrieb:Es war einmal ein Schiff. Kein großes, kein luxuriöses, aber es war seetüchtig und fuhr durch die Meere. Zufällig lag sein Heimathafen in einer Gegend, die auch von den schmucken Yachten der Reichen und Mächtigen samt ihrer männlichen und weiblichen Gespielinnen gern befahren wurde, wenn sie sich von ihren schweren Arbeiten des Börsenjobbens und Dollareintreibens ein wenig entspannen wollten. Nun kam ihnen dieser Methusalem von Schiff, dieser - zugegeben: nicht eben luxuriösen - Kahn in die Quere. Die feinen Yachten der Reichen und Mächtigen samt ihrer männlichen und weiblichen Gespielinnen versuchten immer mal wieder, den sich ruhig durch die Wellen schiebenden Dampfer durch gewagte Manöver zu provozieren, doch der Kapitän an Bord, ein bärtiger, schon in die Jahre geratener Mann mit erheblicher seemännischen Erfahrung, ließ sich nicht beirren, konnte den waghalsigen Dummheiten der Reichen und Mächtigen samt ihrer männlichen und weiblichen Gespielinnen stets ausweichen. Eines Abends, als er seinen gewohnten Rundgang durch das Schiff machte, hörte er ein Geräusch an der Außenwand des Boots und als er sich über die Reling beugte, sah er einen Froschmann, der sich am Schiffsrumpf zu schaffen machte. »He du da, wenn du nicht sofort das Weite suchst, kriegst du eine kräftige Tracht Prügel!«. Der Ungebetene verstand und entfernte sich eilends mit seinem Schlauchboot. Der Kapitän jedoch ging hinab in den Schlund seiner »Queen Elizabeth II«, um zu schauen, ob man da etwas entdecken könne, was der ungebetene Gast angerichtet haben könnte. Und siehe da, als der Kapitän an ungefähr jene Stelle kam, an der sich außenbords der Froschmann betätigt hatte, sah er einen Mann, der sich innenwärts an der Schiffshaut zu schaffen machte. Flugs ließ er die dunkle Gestalt festnehmen, doch die konnte noch zuvor per Handy nach draußen rufen »Man hat mich verschleppt, helft mir!«. Darauf erhob sich auf den Yachten der Reichen und Mächtigen samt ihrer männlichen und weiblichen Gespielinnen sowie auch an Land ein großes Geschrei wegen entzogener Freiheit, mißachteter Menschenrechte und was in solchen Fällen so alles der Fall ist. Der Mann habe doch nur ein Loch in die Bordwand bohren wollen, damit frische Luft in die Rostschüssel einströmen könne. Und nun dies, Verhaftung, Freiheitsberaubung und womöglich noch Schlimmeres. Als das Leute von der politischen Abteilung der Heilsarmee hörten, machten sie sich auf den Weg, um jenen von den feinen Yachten mitsamt ihren männlichen und weiblichen Gespielinnen die volle Solidarität zu bezeugen: Gehört es sich denn, Leute daran zu hindern, von ihrem heiligen und unabdingbaren Recht Gebrauch zu machen, Löcher in die Bordwand eines Schiffes zu bohren? Quelle: Junge Welt 27.02.2006 |
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