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Beängstigender Aufmarsch der US-Streitkräfte im Golf

Am Wochenende ist der US-Flugzeugträger Constellation in Begleitung von sechs weiteren Kriegsschiffen von der amerikanischen Westküste in Richtung Persischen Golf aufgebrochen. Rear-Admiral Barry Costello, unter dessen Befehl die Schlachtgruppe mit 72 Kampfflugzeugen und 8.000 Matrosen steht, sagte vor dem Ablegen "Wir sind darauf gefasst, in einen Konflikt zu steuern. Amerika wird stolz auf uns sein." Nach offiziellen Angaben sollen die Flugzeuge der "Constellation irakischen Luftraum kontrollieren, so wie das die Piloten des US-Flugzeugträgers "Abraham Lincoln", der bereits im Golf operiert, angeblich seit langem tun. Gestern berichtete jedoch der New York Times Korrespondent Michael R. Gordon von Bord des gigantischen Kriegsschiffes, daß die US- Piloten noch eine ganz andere Aufgabe haben, "nämlich Übungsangriffe gegen irakische Ziele zu fliege."[i] Mit diesen Scheinangriffen auf irakische Flugplätze und andere Ziele, "haben wir die Möglichkeit, unter den gleichen Bedingungen zu üben, unter denen wir sie im Krieg angreifen werden", zitiert die New York Times Kapitain zur See Kevin C. Albright, der die Piloten auf der "Lincoln" kommandiert. Daß es nicht nur bei Scheinangriffen bleibt, belegen z.B. die wiederholten Angriffe mit scharfen Bomben auf den irakischen Zivilflughafen der südirakischen Großstadt Basra.

Wenn nach etwa drei Wochen die USS-"Constellation" im Persischen Golf eintrifft, wird sie dort nicht nur auf die USS-"Abraham Lincoln" treffen. Auch die Flugzeugträger "Nimitz" und "Harry S. Truman" sollen mit ihren Begleitschiffe bereits Ende Dezember oder Anfang January dazu stoßen. Ebenso hat die in Japan stationierte "Kitty Hawk" bereits letzte Woche in Richtung Golf abgelegt. Mit fünf Flugzeugträger-Schlachtgruppen bereitet Washington ohne Zweifel die größte Konzentration von Feuerkraft im Golf sei dem Krieg von 1991 vor. Dies wird bereits seit Monaten durch einen systematischen Aufbau von US-Truppen für den Bodenkrieg ergänzt. Neue Einheiten stoßen auch hier täglich dazu. Erst letzte Woche passierten 2,200 US-Marinesoldaten der "24th Marine Expeditionary Unit auf drei Schiffen den Suez-Kanal. Zwei Geschwader der gefürchteten "Apache"- Kampfhubschrauber des in Deutschland stationierten Fünften Corps der US-Army sind bereits letzten Monat in Kuwait eingetroffen. Tausende von US- Marines vom kalifornischen Camp Pendleton befinden sich derzeit mit ihrer amphibischen Schlachtgruppe unter Führung der USS-"Belleau Woods" auf See in Richtung Golf. Tausende weiterer US-Marinesoldaten vom selben Camp bereiten sich derzeit darauf vor, mit ihrer eigenen amphibischen Schlachtgruppe um die USS "Tarawa " in den Golf verschifft zu werden. Bereits jetzt schätzen Experten die Zahl der im und um den Golf herum stationierten und kriegsbereiten US-Soldaten auf zwischen 50 und 70 Tausend. Und als würden die Friedensbemühungen im Sicherheitsrat der UNO gar nicht statt finden, steuert Washington immer ungehemmter und zielgerichteten auf den Krieg.

Am Wochenende meldete die führende Tageszeitung dem US-Bundesstaat Miami, wo das U.S. Central Command beherbergt ist, das für die Planung und Führung des US-Krieges gegen Irak verantwortlich ist, daß der Oberkommandierende General Tommy Franks von US-Kriegsminister Rumsfeld das O.K. bekommen habe, die Kampfstärke der US-Bodentruppen im Golf auf insgesamt 130.000 Mann aufzubauen, denn die Armee von Saddam Hussein könne nicht mir den undisziplinierten und schlecht ausgerüsteten Einheiten der Taliban in Afghanistan verglichen werden. Nur so könnte sicher gestellt werden, daß die US-Streitkräfte auch dann die Oberhand behalten, wenn der Widerstand der irakischen Armee nicht sofort zusammen brechen wird und die US-Soldaten in schwere Straßenkämpfe in den irakischen Städten verwickelt werden.[ii] Dafür ist man vorbereitet. Letzte Woche hatte der für die US-Army im Pentagon zuständige Staatsekretär Thomas E. White erklärt: "Die Army ist bereit". Hauptmann Glenn Kozelka von der 10. US- Army-Gebirgsdivision von Fort Polk in Louisiana ergänzte in einem Interview mit der Washington Post wozu man "bereit ist", nämlich für den Straßenkampf in Bagdad. Bei dieser "drei-dimensionalen Kriegsführung", wobei die US-Krieger darauf gefaßt sein müssen, aus allen Richtungen beschossen zu werden, rechnen US-Planer allerdings mit bis zu 30 Prozent Verlusten in den eigenen Reihen. Hier bietet sich die Gelegenheit geradezu an, die deutsch-amerikanische Verstimmung zu überwinden. Ein Angebot von Kanzler Schröder, deutsche KSK-Nahkampf-Krieger zu schicken dürfte als Wiedergutmachung für den Hitlervergleich während des Wahlkampfes bei US-Präsident Bush sicherlich auf ein geneigtes Ohr treffen.

[i] U.S. Pilots in Gulf Use Southern Iraq for Practice Runs, By MICHAEL R. GORDON, NYT, November 3, 2002

[ii] "130,000 troops sought for invasion force in Iraq", BY JONATHAN S. LANDAY, The Miami Herald, Fri, Nov. 01, 2002

Rainer Rupp

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