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Leserbriefe zur Geschichte...Aus aktuellem Anlass - Ergänzende Geschichtsinformation:Auch aus der Illegalität heraus unterstützte die KPD und ihre Führung 1956/57 den großen Metallarbeiterstreik in Schleswig-Holstein für die Lohnfortzahlung im KrankheitsfallZu zwei Ereignissen gab es in Zusammenhang mit deren 50. Jahrestag vor allem in der Linken Presse wiederholt Berichte und Kommentare. Das war zum einen der 50. Jahrestag des Verbots der KPD am 17.8.1956. Das war zum andern der politische Streik der Metallarbeiter Schleswig-Holsteins und ihrer Gewerkschaft für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Ein Streik, der die weitgehende Gleichstellung mit den Angestellten durchsetzte, obwohl einiges mehr erreicht hätte werden können. Auch in der letzten Urabstimmung zum Kompromiss war immer noch eine deutliche Mehrheit der Metaller für eine Fortsetzung des Streiks, aber die dafür nötigen 75 Prozent der Abstimmenden waren nicht erreicht worden. Diese beiden Jahrestage haben insofern miteinander zu tun als der Streik in Schleswig-Holstein zwei Monate nach dem KPD-Verbot begann und die Partei aus der Illegalität heraus ihre Aufgaben zu bewältigen hatte. In den bisherigen Würdigungen, u. a. in der Wochenzeitung der DKP "Unsere Zeit" und der Tageszeitung "junge Welt", wurde auf die Aktivität zahlreicher Kommunisten hingewiesen. Die Rolle von Parteiorganisationen sowie des Zentralkomitees der Partei und seiner Publikationsorgane wie des "Deutschen Freiheitssenders 904" (auf Mittelwelle 331,9 m gleich 904 kHz) und der illegalen Monatszeitschrift "Wissen und Tat" fanden keine Erwähnung. Auf diesen Mangel habe ich in Leserbriefen hingewiesen. Da auch die Tageszeitung "junge Welt" natürlich nur einen begrenzten Leserkreis hat, sei hier zur Ergänzung historischer Vorgänge mein Leserbrief im vollen Wortlaut wiedergegeben, der in redaktionell leicht gekürzter Fassung in der "jungen Welt" vom 28/29. Oktober 2006 unter der Überschrift "Operativ hilfreich" erschienen ist: Zur illegalen KPD im Metallerstreik 1957In dem Artikel "Sozialgesetze erkämpft" (jW von 21./22.10.2006) bleibt die Rolle der KPD-Führung in diesem längsten Streik der deutschen Nachkriegszeit leider stark unterbelichtet. Am Rande des Artikels gibt es gerade mal ein Zitat aus dem Zentralorgan "Freies Volk". Aber der nur zwei Monate nach dem Verbot der Partei begonnene Streik stellte sie vor große Aufgaben. Gleich nach Ende des Streiks würdigte in der Märznummer 1957 das nunmehr monatlich illegal erscheinende "Wissen und Tat", die damals von Fritz Rische geleitete Zeitschrift der KPD "für Theorie und Praxis des wissenschaftlichen Sozialismus", den 16 Wochen währenden großartigen Kampf der Metallarbeiter. In einer Analyse "Zum Ausgang des Streiks in Schleswig-Holstein" heißt es unter anderem zur Rolle der Parteiführung und der aktiv vor Ort entsprechend wirkenden Kommunistinnen und Kommunisten: "Immer wieder forderten wir die breiteste und unmittelbare Beteiligung der Arbeiter an der Führung des Streiks. Wir empfahlen die Bildung und Wahl von breiten betrieblichen und örtlichen Streikleitungen. Wir setzten uns ein für die regelmäßige Herausgabe von Streikzeitungen und die Organisierung der Mitarbeit der Streikleitung und aller Streikenden an dieser Streikzeitung. Wir traten ein für die straffste Organisierung des Streiks und der Massenstreikposten, sowie der regelmäßigen Durchführung von Streikversammlungen. Notwendig war die Betreuung der Streikenden und ihrer Familien sowie die Organisierung einer breiten Arbeitersolidarität." (Wissen und Tat, Jahrgang 12, Nummer 3/57, Seite 9/10) Dass in diesem Sinne kämpferisch unterstützend sich der "Deutsche Freiheitssender 904" (DFS 904) als Stimme der illegalen KPD alle 114 Streiktage, also tagtäglich, mit diesem politischen Streik für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall befasste, bleibt im jW-Artikel unerwähnt. Der Sender begnügte sich dabei nicht mit Berichten und Kommentaren, sondern bemühte sich, auch operativ hilfreich zu sein. Obwohl die bunt zusammengewürfelte Redaktion erst zwei Monate beisammen waren, gelang es vor allem Dank seines Leiters, des Genossen Rudi Singer, diese erste große Bewährungsprobe zu meistern. Er konnte uns die Aufgabe vermitteln, sich gedanklich in eine klassenkämpferische Streikleitung zu versetzen, die täglich die Lage zu beurteilen und entsprechende Hinweise zu geben hat. Diese Tage liefen in der Regel so ab: in den Stunden vor der Redaktionssitzung, die meist um 10.30 h oder 11 Uhr begann, stürzten sich Redakteurinnen und Redakteure auf die vorhandenen westdeutschen Tageszeitungen oder holten die aus den damaligen Maschinen ratternden Meldungen der beiden wichtigsten deutschen Nachrichtenagenturen zusammen, der Deutschen Presseagentur (dpa) der BRD und des Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienstes (ADN) der DDR. Zur gleichen Zeit informierte sich Chefredakteur Rudi Singer (später Heinz Prieß) im Büro unseres Zentralkomitees über neu eingegangene Informationen aus dem Streikgebiet und entsprechende Einschätzungen der Lage. Damit begann er dann die Redaktionssitzung und wir informierten über die vorliegenden Fakten, entnommen den Tageszeitungen und den Nachrichtenagenturen. Daraus entstanden nach gründlicher Diskussion für die Abendsendung Berichte, Kommentare und darüber hinaus operative Vorschläge und Hinweise. Immer wieder wurde je nach Bedarf auch ein Flugblatt verfasst, das im Sender vorgetragen und gleich anschließend langsam, zum mitschreiben, diktiert wurde. Nach der einfachen Methode, dass der Redakteur selber am Mikrophon sitzend den Text abschrieb und ihn im selben Tempo gleichzeitig vortrug, damit kein interessierter Hörer überfordert werde. Mit solchen Flugblättern traten öfter illegale Parteigruppen in Aktion. Gerade aus Anlass des 50. Jahrestags des KPD-Verbots ist es sinnvoll, auf die Arbeit der in die Illegalität gezwungenen Parteiführung und ihre Organe hinzuweisen. Friedrich Pospiech, Esslingen, (In den 1950ern und -60ern, zehn Jahre Redakteur am DFS 904 und bei "Wissen und Tat") |
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