![]() |
|
Ein Reinheimer Nohl-Beschäftigter berichtetAls er das SPD Plakat "Du bist die Zukunft - mach was draus" las, fragte ein ehemaliger Reinheimer Nohl-Beschäftigter, wer von der SPD sich eigentlich um die Zukunft der Entlassenen von Nohl in Darmstadt kümmere? Er empfand dieses Plakat als Skandal in Zeiten, wo die Große Koalition aus SPD und CDU/CSU eine Reform nach der anderen gegen die Schwächsten der Gesellschaft durchsetzt! Das Darmstädter Traditionsunternehmen Nohl & Co KG beschäftigte einmal 600 Mitarbeiter im Rohr- und Anlagenbau und gab ca. 100 Auszubildenden Lehrstellen. 2004 wurde das gesamte Unternehmen zerschlagen. 450 Mitarbeiter gingen dabei an die HSE (Heag-Südhessische Energie AG) über. "Verhökert" hat man 150 Mitarbeiter der "unrentablen" Sparten Brandschutz und Elektronik. Nur 12 Monate später sind die meisten dieser 150 Kollegen mit der Sparte in Insolvenz - viele hiervon von Arbeitslosigkeit betroffen. Die 100 Ausbildungsplätze einfach wegradiert. Für Außenstehende sind solche Ausgliederungen schwer verständlich. Eingebunden in ein Geflecht von Erst- und Zweitbesitzer, wandern viele Euros in unterschiedliche Kassen. Schon 2001 wurde Nohl an die Hessische Elektrizitäts AG (Heag) verkauft. Damals glaubte man an eine sichere Zukunft. 2004 wurde die Sparte Brandschutz an jemanden verkauft, der nebenher noch als Unternehmensberater für die Firma Nohl tätig war. Nach nur wenigen Monaten war diese Sparte wiederum Pleite und wurde neu aufgekauft. Jetzt heißt man "Vinci Energies". Auch die an die HSE abgeschobenen Kollegen sehen heute einer ungewissen Zukunft entgegen. HSE hat Einstellungsstopp und strukturiert um. Viele erhalten nur noch 80 Prozent ihres ursprünglichen Lohnes. Es sind die, die in einer Beschäftigungsgesellschaft auf die Arbeitslosigkeit warten. Bei Nohl noch tätig verzichteten sie auf Weihnachts- und Urlaubsgeld, im Glauben an die Sprüche ihrer Vorgesetzten. Dies wurde ihnen damals als Rettung für die Firma Nohl verkauft. Diese Vorgesetzen der Firma Nohl befinden sich heute bei der HSE in einer komfortablen Situation. Sie drohen ihren ehemaligen Nohlmitarbeitern mit Umstrukturierung und Kürzungen. Da wurde berichtet, dass ein Rechtsanwalt für Arbeitsrecht abriet eine Abfindungsklage gegen Nohl einzureichen. Heute ist der Grund klar: Dieser Anwalt arbeitet noch für die HSE in Darmstadt. Eine gewerkschaftliche Überprüfung ergab in diesem Fall, dass bei einer Klage eine Abfindungszahlung von ca. 60 000 Euro möglich gewesen wäre. Es rächte sich, dass hier viele Nohl-Beschäftigte keine Gewerkschaftsmitglieder waren. Die gewerkschaftliche Rechtsberatung hätte hier manchem sicher geholfen. Keine Abfindungszahlungen, finanzielle und Zukunftsängste machen sich bei unserem Gesprächspartner breit. "Meine Arbeitskraft wird in dieser Gesellschaft nicht mehr benötigt. Die große Koalition aus SPD und CDU/CSU will mich gar bis 67 Jahre arbeiten lassen, obwohl ich schon heute nicht mehr vermittelbar bin. Ausgliederungen wie die der Nohl Co KG seien keine Lösungen für die Beschäftigten. Nur die Bosse kämen oftmals immer wieder gut unter", so meint er. Für ihn und viele Outgesourcte hätten SPD, CDU/CSU, FDP und Grüne in den heutigen Zeiten keine Antworten mehr. "Die Armut" - so sagt er - werde in Deutschland weiter steigen - die Jugendarbeitslosigkeit wird in Zeiten von Arbeit bis 67, "massiv zunehmen". Deshalb müsse eine Ausbildungsabgabe der Unternehmen her. Alle Jugendlichen gehören ausgebildet. Das Hauptproblem des Kapitalismus sei die hohe Arbeitsproduktivität, wobei immer weniger Menschen immer schneller höhere Stückzahlen von Produkten fertigen. Dies alles eingebunden in einen globalen Wettkampf nach den niedrigsten Löhnen, niedrigen Sozial- und Umweltstandards, könne auf Dauer nicht gut ausgehen. Wenn zudem noch die Lebens- und Wochenarbeitszeiten erhöht werden - die abhängig Beschäftigten mit der Lohnerhöhung nicht einmal die Inflationsrate ausgleichen können, der Staat die konsumtiven Steuern massiv erhöht, macht man aus Deutschland ein Billiglohnland. Das planen Wirtschaft und Politik und setzen es gegenwärtig auch um. Er sieht sich und seine Kollegen als "Globalisierungsverlierer". Er weiß, dass er in seinem Alter kaum Chancen auf eine neue Arbeit in und um Darmstadt hat. Denn nicht nur die 600 Jobs von Nohl wurden vernichtet. Er will sich zukünftig für mehr tariflich bezahlte Arbeitsplätze einsetzen, gegen ein System zu Gunsten einer reichen Minderheit, welches gegen die Mehrheit der Bevölkerung gerichtet ist. Er weiß, dass die Politik von CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen diese Probleme nicht löst. Daher ist er für einen Politikwechsel weg vom kapitalistischen, hin zu einem sozialistischen System. Werner Bischoff UZ 18.08.2006 - Unsere Zeit - Zeitung der DKP |
|
|
Home Veranstaltungen Newsletter DKP Online Infobrief IDDD das rote blatt Fraktion DIE LINKE. Programm & Diskussion Weitere Artikel: · Demokratie & Antifa · Krieg & Frieden · Arbeit & Soziales · Jugend & Bildung · Frauen · Umwelt · Geschichte · Chemie-Werker Merck · Kranichstein · Unser Weg Kontakt/Service: · EMail an uns · Datensicherheit · Ausgang, Links
(RSS) |