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Zur Auseinandersetzung der Piloten mit der LufthansaGleichklang - auf niedriger Ebene?Der Tarifkampf der Piloten von Lufthansa und Condor birgt für Gewerkschafter die unterschiedlichsten Überraschungen. Als ich das erste Mal ihreForderungen hörte, dachte ich, die sind verrückt. Aber ein paar Minuten später hatte ich zu einer ordentlichen gewerkschaftlichen Denkweise zurückgefunden. Die Begründungen zu ihren Ansprüchen entsprechen doch genau denen, die kämpferische Gewerkschafter aus anderen Gewerkschaften seit Jahren, leider bisher vergeblich, formulieren. Es sei daran erinnert, dass Anfang der Neunzigerjahre die Schleuse zu Verschlechterungen von Tarifverträgen bei der Lufthansa geöffnet wurde. In der Folgezeit ließen sich auch andere Gewerkschaften und Betriebsräte dazu zwingen. Die Piloten wollen jetzt die Verluste von zehn Jahren etwas ausgleichen und gleichzeitig auch einen gewissen Anteil an den Milliardengewinnen der Lufthansa holen. Jeder Gewerkschafter weiß, dass diese Gewinne auch in anderen Branchen von den Arbeitern und Angestellten fleißig erarbeitet werden. Wie immer man auch zur "Vereinigung Cockpit" stehen mag - vielleicht ist sie wirklich eine sogenannte Standesorganisation - sollte man anerkennen, dass sie für unsere heutige Zeit ihren "Stand" mutig vertritt. Mit ihrer Argumentation hat das "Bündnis für Arbeit" scheinbar nicht gerechnet und ihre Existenz nicht beachtet. Anstatt nun in verschiedenen Gewerkschaftsetagen über ihre Auftritte gramerfüllt zu reden und zu klagen, dass "der Gleichklang in der Tarifpolitik erhalten bleiben muss", wie es der für den Flughafen zuständige ver.di-Vertreter Thomas Wissgott formulierte, sollten sie lieber ihre eigene Argumentationen zu den letzten Tarifverhandlungen, Ergebnis 3,5 Prozent, überdenken. Natürlich sind solche Forderungen für sozialpartnerschaftlich erprobte Gewerkschafter und Betriebsräte kein flammendes Fanal zum Aufbruch zu neuen Ufern, aber es muss auch nicht zu Mahnungen führen, wie sie der Betriebsratsvorsitzende der Lufthansa AG Frankfurt, H. W. Langendörfer, äußerte, der befürchtet, dass der Streik den Betriebsfrieden gefährde. Auch nach den Gesetzen müssen Betriebsräte nicht die Sprecher von Vorständen der Unternehmen sein. Wenn ver.di-Bundesvorstandsmitglied Jan Kahmann mahnt: "Alle Tarifvertragsparteien im Lufthansa-Konzern müssen die Tragweite und Folgewirkungen von Tarifauseinandersetzungen verantwortungsbewusst einschätzen", dann ahnt er schon, dass andere Gruppen seiner Gewerkschaft nicht mehr jede "Bescheidenheitsargumentation" abnehmen werden. Und wenn er Angst hat, dass, wenn die Vereinigung Cockpit ihre gegenwärtigen Forderungen nur annähernd realisiert, "die soziale und tarifliche Ausgewogenheit der Beschäftigungsgruppen im Lufthansa-Konzern in eine bedrohliche Schieflage gerate", dann können er und ver.di dazu beitragen, untere Einkommen von der immer schiefer werdenden Ebene herunter zu holen. Es ist doch bekannt, dass gerade in der früheren ÖTV, aber nicht nur dort, vergangene Tarifabschlüsse nicht gerade mit Jubel oder gar mit Masseneintritten begrüßt wurden. Wo steht denn geschrieben, dass der "Gleichklang in der Tarifpolitik" nur auf einer niedrigen Ebene hergestellt werden muss? Die in anderen Vereinigungen organisierten Gruppen der Lufthansa (auch in anderen Industrien und Dienstleistungen) sollten sich nicht durch "Neiddiskussionen" der Arbeitgeber beeinflussen lassen und sich eher so gut organisieren, um wieder mutiger ihre Forderungen vertreten zu können. Es ist schon interessant, dass von der Lufthansa still und leise prompt 16 Prozent angeboten wurde, ohne gleichzeitig den Kranich und Condor gegen den Pleitegeier auszutauschen. Wenn der hessische Vorsitzende der ÖTV, Gerold Schaub, davon redet, "es sei noch nicht einzuschätzen, ob künftige geplante Streiks zu Kurzarbeit und Einkommenseinbußen führen", dann ist das keine Unterstützung von Cockpit, aber auch nicht von voraussehbaren künftigen Kämpfen seiner eigenen Mitglieder; er fördert vielmehr damit schon vorhandene Ängste. Und seine Ausdrucksweise, die Forderungen seien "exorbitant", kann man so oder so auslegen, außergewöhnlich oder übertrieben. Eines ist jedoch gewiss: die Gewinne der Unternehmer waren und sind in den letzten Jahren besonders "exorbitant", außergewöhnlich und gewaltig. Rolf Knecht |
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