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Aufruf von Wissenschaftler/innen: Sozialstaat reformieren statt abbauenSehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, unter dem Druck von steigender Arbeitslosigkeit und wachsenden Finanzierungsdefiziten in den öffentlichen Haushalten gewinnt in der Bundesrepublik eine politische Strategie die Oberhand, die die Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrise durch massive Einschnitte in den Sozialstaat lösen will. In diese Richtung zielen die angekündigten Maßnahmen der Bundesregierung im Rahmen der Agenda 2010 sowie die noch darüber hinausreichenden Forderungen von CDU/CSU. Insgesamt hat sich - gestützt durch die Berichterstattung in den Medien und den Mainstream der (wirtschafts)wissenschaftlichen Politikberatung - eine Stimmung breit gemacht, die den Sozialstaat mit seinen Prinzipien und Leistungen als den eigentlichen Verursacher der Probleme ausmacht und deshalb tiefe Einschnitte für erforderlich hält, und zwar nach der Devise "Je radikaler, um so besser". Es ist u.E. dringend an der Zeit, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dieser Entwicklung entgegentreten: So dringend es ist, aus dem Stillstand herauszukommen, so fatal ist es, dies mit einem Ansatz zu tun, der die Probleme nicht löst, aber auf dem Wege ist, die Kernelemente des Sozialstaats zu zerstören. Wir haben deshalb den in der Anlage beiliegenden Aufruf verfasst. Wir hoffen, dass er Zustimmung findet und von einem möglichst breiten Spektrum von Kolleginnen und Kollegen unterzeichnet wird. Wir bitten, die Bereitschaft zur Unterzeichnung (mit Hinweis auf Titel und Arbeits- bzw. Wohnort) per E-Mail an Gerhard Bäcker baecker@uni-duisburg.de zu übermitteln. Wir wären auch sehr dankbar, wenn diese Mail mit Anhang (Aufruf) auch an andere Interessenten weitergeleitet würde. Mit freundlichen Grüßen Prof. Dr. Gerhard Bäcker, Duisburg Prof. Dr. Heinz Bierbaum, Saarbrücken Prof. Dr. Karin Böllert, Münster Prof. Dr. Hans-Ulrich Deppe, Frankfurt Prof. Dr. Dieter Eißel, Gießen Prof. Dr. Heiner Ganßmann, Berlin Prof. Dr. Walter Hanesch, Darmstadt Prof. Dr. Arne Heise, Hamburg Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach, Frankfurt Prof. Dr. Klaus Hofemann, Köln Prof. Dr. Ernst-Ulrich Huster, Bochum Prof. Dr. Klaus-Peter Kisker, Berlin Prof. Dr. Ulla Knapp, Hamburg Prof. Dr. Ingrid Kurz-Scherf, Marburg Prof. Dr. Friederike Maier, Berlin Prof. Dr. Hans-Uwe Otto, Bielefeld Prof. Dr. Brigitte Stolz-Willig, Frankfurt Prof. Dr. Joachim Trube, Siegen Prof. Dr. Norbert Wohlfahrt, Bochum Prof. Dr. Karl-Georg Zinn, Aachen -------------------------------------------------------------------------- Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, Postfach 33 04 47, 28334 Bremen Geschäftsführer: Axel Troost, Tel. 0172/5403801 Fax . 0421/4914488 email: memorandum@t-online.de Internet: http://www.memo.uni-bremen.de Aufruf von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Sozialstaat reformieren statt abbauen - Arbeitslosigkeit bekämpfen statt Arbeitslose bestrafen Mit den in der "Agenda 2010" angekündigten Maßnahmen will die rot-grüne Bundesregierung die Bundesrepublik bis zum Ende des Jahrzehnts aus der Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrise führen. Die Blockaden der letzten Jahre sollen überwunden, die Wirtschaft belebt und vor allem Arbeitsplätze geschaffen werden. Wir bezweifeln aber, dass die Ansätze tatsächlich geeignet sind, diese Ziele zu erreichen. Im Wesentlichen konzentriert sich die Agenda 2010 auf drastische Leistungskürzungen in den sozialen Sicherungssystemen. Dazu zählen vor allem die Kürzung der Dauer des Arbeitslosengeldes, die faktische Abschaffung der Arbeitslosenhilfe, Verschärfung von Zumutbarkeitsregelungen, Ausgliederung des Krankengeldes aus der paritätischen Finanzierung, Aufweichungen des Kündigungsschutzes sowie die nochmalige Absenkung des Rentenniveaus. Der Opposition, den Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden, vielen wissenschaftlichen Beratungsgremien sowie weiten Teilen der Medien gehen diese Einschnitte noch nicht weit genug. Unter der Devise "Weniger Sozialstaat = mehr Beschäftigung" hat ein Wettlauf um den Abbau der Kernelemente des Sozialstaats eingesetzt. So wollen CDU/CSU in den anstehenden Verhandlungen mit der Regierung Eingriffe in Tarifvertragsgesetz und Tarifautonomie sowie die Absenkung der Sozialhilfe durchsetzen. Wir widersprechen dieser Politik, weil die angekündigten Maßnahmen die Probleme auf dem Arbeitsmarkt nicht beseitigen werden. Eine Politik, die auf der einen Seite mit den falschen Rezepten operiert, auf der anderen Seite dem Druck konservativer Lobbygruppen nachgibt, ist weder mutig noch reformorientiert. Die geplanten Einschnitte verletzen die Prinzipien sozialer Gerechtigkeit und gefährden die Substanz des Sozialstaates, schaffen aber keine Arbeitsplätze. Wir widersprechen der These, dass der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar und die Ursache von Wachstumsschwäche und Arbeitslosigkeit sei. Der eingeschlagene Weg führt in die falsche Richtung, weil der Politik eine falsche Krisendiagnose zu Grunde liegt.
Mit dem eingeschlagenen Weg werden das Sozialstaatsprinzip und die Grundlagen einer auf den sozialen Ausgleich gerichteten Gesellschaftsordnung gefährdet. Wir widersprechen der Behauptung, dass diese Einschnitte "alternativlos" sind. Ein hohes Beschäftigungsniveau und ein ausgebauter Sozialstaat müssen - wie Beispiele aus europäischen Nachbarländern zeigen - keine Gegensätze sein. Um das zu erreichen, sind jedoch Maßnahmen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie Arbeitsmarkt und Sozialpolitik notwendig, die den Namen "Reform" tatsächlich verdienen. Dazu zählen insbesondere folgende Punkte:
Prof. Dr. Gerhard Bäcker, Duisburg Prof. Dr. Heinz Bierbaum, Saarbrücken Prof. Dr. Karin Böllert, Münster Prof. Dr. Hans-Ulrich Deppe, Frankfurt Prof. Dr. Dieter Eißel, Gießen Prof. Dr. Heiner Ganßmann, Berlin Prof. Dr. Walter Hanesch, Darmstadt Prof. Dr. Arne Heise, Hamburg Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach, Frankfurt Prof. Dr. Klause Hofemann, Köln Prof. Dr. Ernst-Ulrich Huster, Bochum Prof. Dr. Klaus-Peter Kisker, Berlin Prof. Dr. Ulla Knapp, Hamburg Prof. Dr. Ingrid Kurz-Scherf, Marburg Prof. Dr. Friederike Maier, Berlin Prof. Dr. Hans-Uwe Otto, Bielefeld Prof. Dr. Brigitte Stolz-Willig, Frankfurt Prof. Dr. Joachim Trube, Siegen Prof. Dr. Norbert Wohlfahrt, Bochum Prof. Dr. Karl-Georg Zinn, Aachen |
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