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Kleine Anfrage: Radioaktive Lauge wiederverwendet?Jahrelang wurden mit Steinsalzlösung aus Atommüllendlager Asse andere Kalibergwerke geflutetVon Karin Masche Seit Wochen sorgt die Tatsache für Aufregung, daß im Atommüllendlager Asse radioaktive Lauge eine Sohle tiefergepumpt wurde - und zwar seit Jahren. Nach einer Sitzung des Umweltausschusses am Donnerstag nachmittag erneuerte der umweltpolitische Sprecher der Fraktion Die Linke im niedersächsischen Landtag die Forderung, einen Untersuchungsausschuß zum Thema Asse zu bilden. Nach bislang kaum beachteten Unterlagen der Betreibergesellschaft geht der Skandal allerdings noch weit über das momentan Diskutierte hinaus: Jahrelang wurde Lauge aus der Asse über Tage gepumpt, in Tanklastzüge verladen und zur Flutung anderer stillgelegter Kalibergwerke der K+S AG mit Sitz Kassel verwendet. Im zweiten Halbjahresbericht 2006 über den Stand der "Stillegung/Rückbau kerntechnischer Anlagen" des Forschungszentrums Karlsruhe (FZK) heißt es: "An verschiedenen Sammelstellen im Bereich der Südflanke der Schachtanlage Asse werden täglich weiterhin rund zwölf Kubikmeter gesättigte Steinsalzlösung aufgefangen. Die chemischen und physikalischen Eigenschaften der zutretenden Lösung sind unverändert. Seit Juni 2005 wird sie regelmäßig nach über Tage gepumpt und mit Tanklastzügen zu stillgelegten Kalisalzbergwerken der Kali und Salz AG transportiert. Dort kommt die Lösung bei der Flutung von stillgelegten Bergwerken zum Einsatz. Bislang wurden rund 9400 Kubikmeter Steinsalzlösung aus der Schachtanlage Asse herausgefördert." Bereits im Bericht über den Zeitraum Juli bis Dezember 2004 heißt es: "Die übertägigen Anlagen zur Förderung von Lösungen für den Umschlag von Schutzfluid in und Zutrittslösung aus der Grube wurden errichtet." Wie garantiert werden sollte, daß die Laugen aus dem kollabierenden Endlager frei von radioaktiven Stoffen sind, geht aus den Berichten nicht hervor. Ebenso unklar bleibt, ob überhaupt entsprechende Messungen vorgenommen wurden. Mit einer kleinen Anfrage an die Landesregierung bemüht sich die niedersächsische Landtagsabgeordnete Christel Wegner (fraktionslos, DKP) derzeit um Aufklärung. "Seit wann und in welcher Größenordnung wurde Salzlauge aus Asse außerhalb des dortigen Betriebsgeländes verfrachtet?" heißt es dort unter anderem. Wegner fragt weiterhin nach Genehmigungen für die Gefahrguttransporte, nach weiteren Giftstoffen in niedersächsischen Bergwerken und den daran sowie dem Projekt Asse beteiligten Firmen und Konzernen.Wie aus den FZK-Berichten hervorgeht, wurde bereits vor 2004 Lauge aus der Asse benutzt, um Sohlen zu verfüllen - sie wurde einfach unter das Füllmaterial gemischt, das die K+S AG angeliefert hatte: "Insgesamt wurden im Probebetrieb rund 10360 t Haldensalz zusammen mit 383 m³ eigener MgCl2-Lösung aus dem Laugensumpf auf der 850-m-Sohle verblasen", heißt es dort. Aus: Junge Welt 26.07.2008 |
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