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Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
Pressemitteilung vom 22. Februar 2006

Studie: BAYER begeht Biopiraterie

Glucobay mit Hilfe eines Bakteriums aus Kenia produziert / Konzern für "Captain Hook Award for Biopiracy" nominiert

Der Leverkusener BAYER-Konzern wird in der Studie Out of Africa: Mysteries of Access and Benefit Sharing <www.edmonds-institute.org/outofafrica.pdf> der Biopiraterie beschuldigt. Laut der vom US-amerikanischen Edwards Institute veröffentlichten Untersuchung produziert BAYER das Diabetes-Mittel Glucobay mit Hilfe eines Bakteriums, das aus dem kenianischen Ruiru-See stammt. Gegenüber der britischen Zeitung Independent bestätigte das Unternehmen die Verwendung des in Kenia gefundenen Bakterien-Stammes. Von dem jährlichen Glucobay-Umsatz von rund 280 Millionen Euro fließt jedoch kein Cent nach Ostafrika.

Glucobay wurde in Deutschland 1991 zugelassen. 1995 ließ BAYER in Europa und den USA einen neuen Herstellungsprozess von Acarbose, dem Wirkstoff des Präparats, patentieren. In der Patentschrift wird die Verwendung des Bakterienstamms Actinoplanes SE50 genannt, nicht jedoch dessen afrikanische Herkunft.

In der Studie werden zahlreiche Beispiele solcher Formen von "Biopiraterie" aufgelistet. Die von westlichen Unternehmen verwendeten Wirkstoffe sind in Afrika zum Teil seit Jahrhunderten in Gebrauch. Beth Burrow vom Edwards Institute nennt diese Praxis "eine neue Form kolonialer Ausplünderung". Mariam Mayet, Mit-Autorin der Studie, ergänzt: "Wir erleben eine totale Respektlosigkeit gegenüber afrikanischen Ressourcen". Die AutorInnen werfen den beteiligten Konzernen Verstöße gegen die UN Biodiversitäts-Konvention vor und fordern eine angemessene Beteiligung der Herkunftsländer an den Gewinnen.

Vertreter der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) unterstützen diese Forderung. Die CBG nominierte BAYER für den "Captain Hook Award for Biopiracy <www.captainhookawards.org/> ", der anlässlich der Biodiversitäts-Konferenz Ende März im brasilianischen Curitiba verliehen wird. Der Negativ-Preis wurde von Organisationen aus aller Welt, darunter das Indigenous Peoples Biodiversity Network und die Action Group on Erosion, Technology and Concentration, ausgelobt.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren, die den BAYER-Konzern seit 25 Jahren überwacht, weist zudem darauf hin, dass die Wirksamkeit von Glucobay höchst umstritten ist und der Wirkstoff eine Vielzahl unerwünschter Nebenwirkungen hervorruft. Hubert Ostendorf vom Vorstand der CBG: "Glucobay wird von Experten als untauglich zur Behandlung von Diabetes abgelehnt. Das Mittel wurde gegen den Willen von Diabetologen mit einer millionenschweren Werbekampagne auf den Markt gedrückt."

Der Pharmakologe Gerd Glaeske nennt Acarbose "gerade mal so wirksam wie Müsli". Prof. Dr. Michael Berger von Uni Düsseldorf schreibt in einem Beitrag für das Ärzteblatt: "Das orale Antidiabetikum Glucobay hat ein Umsatzvolumen von circa 200 Millionen DM pro Jahr erreicht, obwohl keinerlei Beweise für seine Wirksamkeit und langfristige Unbedenklichkeit geltend gemacht werden konnten."

Der BAYER-Konzern veranstaltete nach der Zulassung von Glucobay Werbeveranstaltungen für Ärzte und scheute sogar vor finanziellen Prämien nicht zurück. In einem internen Rundschreiben des Konzern hieß es: "Für die Teilnahme an den zwei Treffen und den mündlichen Bericht über mindestens fünf Therapiefälle erhält jeder Arzt 700 DM als Beratungshonorar." Die rot-grüne Bundesregierung plante, Glucobay aus einer Positivliste für wirksame Medikamente auszuschließen. Das Vorhaben scheiterte jedoch - nicht aus gesundheitspolitischen Gründen, sondern wegen des Lobby-Feuerwerks des BAYER-Konzerns. Die Folgen tragen die Patienten und die Krankenkassen.

Weitere Infos: The Independent: African bio-resources 'exploited by West' <www.cbgnetwork.org/1357.html>

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Dr. Janis Schmelzer, Historiker, Berlin

Wolfram Esche, Rechtsanwalt, Köln

Dorothee Sölle,Theologin, Hamburg (gest. 2003)

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