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ItalienEine Niederlage kann heilsam seinBei den Parlamentswahlen in Italien erlitt die Regenbogenlinke, zu der die Partei der Kommunistischen Wiedergründung (PRC) und die Partei der italienischen Kommunisten (PdCI) gehören, eine schockierende Niederlage. Sie erreichte nur 3,1% und fiel so unter die 4%-Hürde. Zum ersten Mal in der italienischen Nachkriegsgeschichte sind die Kommunisten nicht im Parlament vertreten. Silvio Berlusconi erhielt im Bündnis mit den AN-Faschisten 37,4 %, Bossis Lega-Rassisten 8,3 %, beide zusammen mit einer kleinen Autonomiepartei 46,8%. Die Demokratische Partei des Ex-Kommunisten und Ex-Linksdemokraten Walter Veltroni verzeichnete nur 33,2 %, ihre Bündnisliste knapp 38%. Im PRC sind nun die seit langem schwelenden, aber immer unter den Tisch gekehrten Meinungsverschiedenheiten über einen revolutionären oder reformistischen Kurs offen ausgebrochen. Sie verdeutlichen, dass es im PRC, der 1991 nach der Umwandlung der IKP in die sozialdemokratische Linkspartei (PDS) gegründet wurde, kaum eine Auseinandersetzung mit dem opportunistischen Erbe der IKP und somit auch keinen Bruch mit diesem gab. Der 5. Parteitag ging 2002 im Gegenteil einen Schritt weiter und erklärte den Verzicht auf die führende Rolle der Arbeiterklasse, die er der No-Global-Bewegung zuschrieb. Hier liegt die erste und entscheidende Ursache für die gegenwärtige Niederlage. Eine der Ursachen der Niederlage wird im Eintritt des PRC in die Regierung Romano Prodis gesehen, die nach dem Wahlsieg der Linken Mitte im Mai 2006 gebildet wurde. Das scheint eine etwas zu kurze Sicht. 2005/06 war es durchaus gerechtfertigt, dem Parteienbündnis der Linken Mitte beizutreten, um einen erneuten Wahlsieg der profaschistisch-rassistischen Koalition Berlusconis zu verhindern.(...) PRC und PdCI bildeten zu den Wahlen mit der Sinistra Democratica (Rest der Linksdemokraten) und den Grünen ein Parteienbündnis Sinistra Arcobaléno (Regenbogenlinke), das Bertinotti als Spitzenkandidat anführte. Er propagierte es als "eine neue Linke, die allen offen steht". Das weckte bei vielen zur kommunistischen Identität stehenden Mitgliedern und Sympathisanten Befürchtungen, aus dem Parteienbündnis solle eine Linkspartei entstehen und der PRC in ihr aufgehen. Im PRC war bereits umstritten, dass Bertinotti 2004 die Partei in die Europäische Linkspartei eingebracht und selbst bis 2007 ihren Vorsitz übernommen hatte. Auf Forderung der Grünen verzichtete die Koalition auf das Parteisymbol des PRC, Hammer und Sichel. Auch das habe, wie kritische Stimmen einschätzten, sehr viele Stimmen gekostet. Von einer "revolutionären Linken" war im Regenbogen kaum etwas zu spüren. Die Grünen propagierten die Politik des sozialistischen Premiers Spaniens, Luis Zapatero, als Vorbild. PD-Vorsitzender Veltroni lehnte ein Wahlbündnis ab. Bertinotti bot ihm trotzdem bereits im Wahlkampf bei einer fehlenden eigenen Mehrheit nach einem Wahlsieg Unterstützung an. Viele PRC-Wähler befürchteten, die Partei könnte dann in eine PD-Regierung eintreten und deren propagierte Zusammenarbeit mit dem "demokratischen Kapitalismus" mittragen. Das alles führte u. a. dazu, dass sowohl die vom PRC 2006 abgespaltene Kommunistische Arbeiterpartei als auch die PRC-Strömung Kritische Linke getrennt zur Wahl gingen. Sie erreichten 0,5 bzw. 0,4 %. Ein geringes Ergebnis, aber es hätte den PRC und damit den Regenbogen über die 4%-Hürde bringen können. Zukunft der KP offen Im Vordergrund der Auseinandersetzung im PRC steht die Diskussion über die Zukunft der Partei, die sich auf die Frage zuspitzt, ob sich der Regenbogen zur linken Partei konstituieren soll, in der die bestehenden Parteien aufgehen, was ihre Auflösung bedeutet. Der PRC könnte allenfalls als lose kommunistische Strömung existieren. Diese von Bertinotti bereits in der Wahlkampagne unterschwellig vertretene Linie hat, wie Domenico Losurdo einschätzte, entscheidend zur Niederlage beigetragen. Gegen die Liquidierung der mit etwa 90.000 Mitgliedern stärksten KP gibt es einen besonders von der Basis ausgehenden heftigen Widerstand. Zu seinen Trägern gehören mehr als 100 führende kommunistische Persönlichkeiten, darunter Losurdo, die "zur Erhaltung der kommunistischen Tradition, wieder mit Hammer und Sichel" aufrufen, um nicht nur PRC und PdCI, sondern alle in verschiedene Gruppen aufgesplitterten kommunistischen Kräfte zu vereinigen. Wir wollen "eine neue Phase des italienischen Kommunismus beginnen, eine konstituierende Phase", erklärte Losurdo (jW 19./20. April 2008). Er verwies gleichzeitig auf die "Selbständigkeit der Kommunisten" als Voraussetzung einer linken Politik und Bündnissen wie dem Regenbogen. Logisch, dass der führende kommunistische Philosoph Italiens und ausgezeichnete Gramsci-Kenner betonte, "dabei müssen wir die kommunistischen Traditionen von Lenin bis Gramsci wieder aufgreifen". Das bedeutet an erster Stelle, wie Hans Heinz Holz in einer Studie zu "Antonio Gramscis Parteitheorie" (jW, 02./03.05.07) verdeutlichte, dessen Bündniskonzeption aufzugreifen, seine Theorie des Historischen Blocks und der Erringung der Hegemonie durch die Arbeiterklasse. Und das nicht als Klassenzusammenarbeit mit bürgerlichen Parteien, sondern im Sinne von Togliatti als antifaschistische Einheitsfrontpolitik auf der Grundlage des Klassenkampfs ("Wende H.-E. Blok von Salerno"). Holz verwies auf die Frage der Vorhut und gab dazu Gramsci wieder, der betonte, "dass der Kampf nur geführt werden kann, wenn eine Avantgardepartei die Probleme der Massen formuliert, das Bewusstsein der Massen bildet und in den Massen verwurzelt ist; und dass die Partei das nicht leisten kann, wenn sie nicht auf hohem theoretischem Niveau die Gegenwart analysiert, die Vergangenheit verarbeitet und die Zukunft entwirft." Gerhard Feldbauer Dieser, gekürzte, Beitrag erschien erstmals am 14. Mai in T&P - Theorie und Praxis aus marxistischer Sicht - Ausgabe 14/2008 |
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