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Erfahrungsbericht einer Gruppe Jugendlicher in KölnKongress verhindert - PolizeischikaneIm folgenden die Erfahrungen einer Gruppe Jugendlicher aus Darmstadt, die an den Aktionen gegen den Rassistenaufmarsch am 20. September 2008 in Köln beteiligt war. Wie das deutsche "Rechtssystem" funktioniert mussten ich und viele andere in Köln diesen Samstag erfahren. Nachdem die Blockadeaktionen superfriedlich und erfolgreich abgelaufen waren, verkündete die Polizei, dass der Kongress von Pro Köln verboten wurde und rief gleichzeitig sogar zum friedlichen Protest auf. Um den Erfolg zu feiern, sollte eine Spontandemo durch die Kölner Innenstadt stattfinden. Ziel war der Heumarkt, auf dem ursprünglich die Nazis ihre Kundgebung abhalten wollten. Meines Wissens nach wurde die Sponti von der Polizei genehmigt und so zogen wir gutgelaunt und nichtsahnend los. Irgendwo wurde dann die angemeldete Route von der Polizei blockiert und wir bogen ab, um einen anderen Weg zu nehmen. Ehe wir uns versahen tauchten plötzlich knapp 100 Polizisten auf und kesselten uns ein. Ca. 250 Leute waren in diesem Kessel. Die Polizei ließ verlauten, dass Straftaten begangen worden wären. Tatsächlich lag auf dem Boden eine verbrannte Mülltonne und mehrere Glasscherben waren zu sehen. Diese Action muss sich jedoch schon mindestens 30 - 60 Minuten vorher abgespielt haben, da die Mülltonne bereits hart war und nicht mehr geraucht hat. Wir wurden also ohne Grund eingekesselt. Die Leute waren friedlich, hoben die Hände und riefen "Lasst uns frei". Daraufhin verkündete die Polizei, dass die Versammlung aufgelöst sei. Sie forderten uns 3 mal dazu auf den Platz zu räumen und drohten bei Nichteinhaltung mit polizeilichen Maßnahmen. Ich denke ich spreche für jeden in diesem Kessel, wenn ich sage, wir hätten den Platz gerne geräumt. Doch die Tatsache, dass wir von mehreren Polizisten umzingelt waren, die uns nicht aus dem Kessel rausließen, machte es uns schwer den Platz zu räumen. Auch die Sprechchöre "Wir wollen nach Hause gehen , wir wollen nach Hause gehen.." schienen die Polizei nicht zu interessieren. Offensichtlich zählte nur, dass sie dazu aufgefordert hatten, dass wir gehen sollen, nicht aber, dass sie uns die Möglichkeit dazu gar nicht gaben. Daraufhin dauerte es ca. 30-45 Minuten bis die Polizei Kinder und Jugendliche dazu aufforderte sich bei ihnen zu melden. Außerdem zu erwähnen ist, dass wir während der ganzen Zeit in dem Kessel, aber auch schon vorher bei den Blockaden, von allen Seiten gefilmt wurden und es keine Möglichkeit gab sich davor zu schützen. Die "Abarbeitung der Jugendlichen", wie sich die Polizei ausdrückte, dauerte ca. 1-2 Stunden. Eine Polizistin führte mich an der Schulter zu einem anderen Polizist. Auch das empfand ich schon als Provokation, denn ich war durchaus in der Lage ohne Hilfe zu laufen. Der Polizist, der sich sehr überheblich gab, verlangte nach meinem Ausweis. Ich musste mich vor eine Wand stellen. Zuerst wurde mein Ausweis gefilmt und die Daten wurden laut vorgelesen. Danach wurde ich von Kopf bis Fuß gefilmt. Auf die Frage, was das denn solle und, dass ich schließlich keine Schwerverbrecherin sei, bekam ich die Antwort, dass das nichts damit zu tun hätte, aber mitgehangen wäre mitgefangen und mich hätte niemand dazu gezwungen mich bei Straftaten zu beteiligen. Auf diese links-rechts Diskussion würde er sich nicht einlassen meinte er, nachdem ich erwähnte, dass ich gegen menschenverachtende Politik auf die Straße gegangen wäre und mir dies jetzt zum Vorwurf gemacht werden würde. Auch im weiteren Verlauf des Gesprächs verhielt sich der Polizist provozierend und wurde persönlich. Er kritisierte meine Einstellung schon in so jungem Alter und behauptete, das läge nicht an der Polizei, sondern an meiner Erziehung. Dass er weder mich, noch meine Eltern kennt und folglich keine Ahnung von meiner Erziehung hat interessierte ihn nicht. Ich wurde daraufhin durchsucht und abgetastet, meine Eltern wurden telefonisch informiert und ich bekam einen Platzverweis für die gesamte Kölner Innenstadt mit der Aufforderung sofort abzureisen. Er behauptete, dass ich in ein Erziehungsheim käme, wenn ich mich nicht an diese Auflagen halten würde. Ich spürte deutlich, wie er ständig versuchte mir Angst zu machen. Auch meinen Einwand, dass ich noch Freunde im Kessel hätte mit denen ich nach Hause fahren wollte, tat er ab, indem er sagte, dass ich mir so etwas überlegen müsste, bevor ich mich an solchen Aktionen beteilige. Danach wurde ich freigelassen. Meine über 18-jährigen Freunde kamen ca. 4 Stunden später aus dem Kessel. Sie erzählten mir später, dass sie erst nach 4 stunden ein Dixiklo zur Verfügung gestellt bekamen, davor wurde ihnen jeglicher Stuhlgang verwehrt. Auch das wenige Essen und Trinken, dass die Veranstalter ihnen bringen wollten und welches dankend empfangen wurde, wurde erst sehr spät durchgelassen. Das Verhalten der Polizei hatte nichts damit zu tun für öffentliche Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Es ging darum den Leuten Angst zu machen, sie zu schikanieren und die Proteste der Demonstranten zu kriminalisieren. Wieder einmal wurde das Feindbild der "bösen linksradikalen Randalierer und Krawallmacher" in den Medien propagiert. Vor allem aber ging es darum Daten zu sammeln. Dies ist der Polizei geglückt. Meine Freundinnen und Freunde und ich denken, dass Zeit und Steuergelder besser genutzt werden könnten, als Videomaterial von einer friedlichen Demonstration auszuwerten. Wenn es ein Ziel der Polizei war uns einzuschüchtern und uns so an weiteren Protesten zu hindern, ist es ihr nicht gelungen. Nach diesem Erlebnis halten wir es für um so notwendiger für eine gerechtere Welt aktiv zu werden, denn es hat sich gezeigt, dass die Probleme eben nicht nur bei ein paar extrem Rechten zu liegen scheinen. Das Treffen von Pro Köln konnten wir friedlich verhindern, gegen die Schikane und Willkürlichkeit der Polizei hatten wir keine Chance. Wir werden gerade darum auch in Zukunft nicht damit aufhören laut zu sein und auf die Straße zu gehen! Julia K. |
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