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Französische Conti-Arbeiter aus Clairoix besetzten Conti-Fabrik in Sarreguemines"Sie haben es mit kämpfenden Werktätigen zu tun"Französische Conti-Arbeiter aus dem nordfranzösischen Conti-Werk Clairoix besetzten am 6. Mai das Conti-Werk im ostfranzösischen Sarreguemines. "Wir wollen Druck auf die französische Conti-Führung machen, um neue Verhandlungen zu erreichen", sagte Stéphane Bacquet von der Gewerkschaft CFE-CGC im Sender Europe-1. Bis zu 400 Beschäftigte aus dem von der Schließung bedrohten Werk in Clairoix nördlich von Paris waren nach Sarreguemines gefahren. "Wir sind bereit, überall hinzugehen" sagte Xavier Matthieu von der Gewerkschaft CGT. Das Reifenwerk in Clairoix mit 1.120 Beschäftigten soll im kommenden Jahr, wie das Werk in Hannover-Stöcken geschlossen werden. Nachdem ein Gericht die Klage der Belegschaft gegen den Schließungsplan abgewiesen hatte, stürmten die Beschäftigten vor zwei Wochen bereits ein Verwaltungsgebäude und das Empfangsbüro ihres Werkes. Die Fabrik ist seitdem wegen "Sicherheitsbedenken" geschlossen. Eigentlich wollten die Continental-Arbeiter aus dem nordfranzösischen Clairoix an jenem Tag nach Aachen fahren, um vor dem deutschen Reifenwerk gegen die Schließungspläne des multinationalen Konzerns zu protestieren. Sie meldeten sich dazu beim Betriebsrat im Conti-Werk Aachen an. Die Folge war, dass vor dem Aachener Werk ein riesiges Polizeiaufgebot wartete: Mit mindestens 20 Fahrzeugen waren die Ordnungskräfte aufgefahren, vor dem vollständig abgeriegelten Parkplatz patrouillierte berittene Polizei, in Spezialwagen bellten Hunde, vor dem Werkstor stand die Betriebsfeuerwehr bereit, und jede Menge Beamte in Zivil. Denn, was sich seit einigen Wochen und Monaten in Frankreich abspielt, das soll in Deutschland im Keim erstickt werden. Die Hüter von "Ruhe und Ordnung" warteten mehrere Stunden lang auf die Arbeiter aus Clairoix. Am 6. Mai machten sich frühmorgens die Beschäftigten aus Clairoix mit 60 Autos auf den Weg. Während in Aachen noch Polizeikräfte auf sie warteten, waren sie längst im französischen Continental-Werk von Sarreguemines (Saargemünd) eingetroffen. Die deutschen Kollegen hatten die Protestkundgebung vor dem Werk in Aachen abgesagt, deshalb habe man umdisponieren müssen, sagten die Streikenden. Sie knackten die Schlösser der Werkstore, und mit dem Schlachtruf: "On est chez nous" (Wir sind bei uns) und "Continental Solidarité", stürmten sie das Betriebsgelände. Einige der dort Beschäftigten verließen die Hallen und gesellten sich zu ihren kämpferischen Kollegen aus Clairoix. "Ihr seid die nächsten, die entlassen werden, schließt euch unserem Kampf an!", rief ihnen Xavier Mathieu zu. In den Nebenstraßen vor dem Werk waren die Einsatzfahrzeuge und Mannschaftswagen der nationalen Polizei CRS geparkt. Hinter dem geschlossenen Tor der Werkseinfahrt brannte ein großer Stapel Reifen und strahlte bis zehn Meter Entfernung sengende Hitze aus. Eine dicke, schwarze Rauchfahne, die vom Continental-Werk aufstieg und vom lebhaften Wind nach Osten getragen wurde, machte deutlich: "Dieses Werk ist besetzt." Der Aachener Betriebsratsvorsitzende von Continental, der auch Vorsitzender des europäischen Konzernbetriebsrates ist, wird in der Presse zitiert, er wolle in der durch die Betriebsbesetzung in Sarreguemines angespannten Lage keine Gespräche mit den Besetzern führen: "So etwas sind wir nicht gewohnt." Auf einem bedruckten T-Shirt der Streikenden steht: "Continental Patrons voyoux" - Continental Besitzer Halunken! Der Reifenkonzern hatte selber mit neuen Werken - wie beispielsweise in Rumänien - Überkapazitäten geschaffen, und dann mit einem "Standortwettbewerb" die Arbeiter gegeneinander ausgespielt. Mit einer Standortgarantie bis ins Jahr 2012 wurden die Arbeiter von Clairoix vor zwei Jahren dazu gezwungen, für den gleichen Lohn länger zu arbeiten. Inzwischen beginnt die Continental wegen der Überkapazitäten Werke zu schließen. Nachdem die Fabrikbesetzer einen ersten Terminvorschlag ablehnten, nahmen sie später einen Termin für den 12. Mai in Hannover an und begannen mit der Conti-Führung das Werk zu verlassen. In Hannover auf der Protestkundgebung vor der Hauptversammlung der Continental hatte Xavier Mathieu den deutschen Kollegen beispielgebend zugerufen: "Die Stilllegung eines Betriebs ist kein Schicksal, das ist eine Wahl, eine menschenunwürdige und unannehmbare Wahl, die einen einzigen Grund hat, mehr Geld zu gewinnen. Wir können sie durch Kampf dazu zwingen, dass ihr Vorhaben scheitert, dass sie eine andere Wahl treffen, ... Ausschlaggebend ist das Kräfteverhältnis zwischen ihnen und uns. (...) Wir haben nichts zu verlieren. Die Opfer, die dieser Kampf von uns fordern wird, sind nichts gegen die Opfer, die uns für den Rest unseres Lebens von unseren Bossen und ihren Handlangern, ihren offenen und versteckten Verbündeten aufgezwungen werden. (...) Sie wollten uns das Rückgrat brechen und wie die Schafe zur Schlachtbank führen. Aber nein, sie haben es mit kämpfenden Werktätigen zu tun, die ihrem Schicksal die Stirn bieten." Wolfgang Teuber |
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