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Das "Echo" und der 1. Mai in DarmstadtRitual?Am diesjährigen 1. Mai beteiligten sich etwas mehr Menschen als im vorigen Jahr an der DGB-Demonstration und der anschließenden Kundgebung auf dem Darmstädter Marktplatz. Etwa 800 Kolleginnen und Kollegen protestierten gegen prekäre Beschäftigung, gegen die Ausweitung der Leiharbeit und die Vernichtung regulärer, unbefristeter Arbeitsverhältnisse. Horst Mund vom Bundesvorstand der IG Metall mahnt die Mitbestimmung in den Betrieben an und kritisierte die Tatsache, dass die Verursacher der Finanz- und Wirtschaftskrise keinen einzigen Cent bezahlt haben. Jürgen Planert, DGB-Regionsvorsitzender, machte deutlich, dass geringfügig Beschäftigte längst keine Randgruppe mehr sind und immer mehr Menschen in Armut leben müssen. Georg Dombrowe von der Gruppe "atomkraftENDE Darmstadt" forderte die sofortige aller AKWs und zwar sofort. Dombrowe plädierte für die Überführung der großen Stromversorger in öffentliches Eigentum. Auf dem Darmstädter Marktplatz präsentierten sich eine ganze Reihe von politischen Gruppen, Parteien und Verbänden. Paul Hermann Gruner vom "Darmstädter Echo" sah dagegen eine mühevolle Ritualpflege, er polemisiert gegen Arbeitsmigranten, linke Splittergruppen mit Spezialfähnchen(?) und Sondersprechchören. Gruner lässt uns an einem Fahnen-Wettbewerb zwischen Mao, Che Guevara und Öcalan teilhaben. Die deutschen Gewerkschaften sieht er unterrepräsentiert und den politischen Arm der Arbeiterbewegung (Sozialdemokraten und Jusos) wie eine Randerscheinung. Überhaupt seien die "Gegenspieler" der Gewerkschaften nicht zu fassen, es gäbe stattdessen rührend inszenierte Kampfesfreude. Schließlich hätte keiner mehr was gegen Armut und Kinderarmut, alle wären für den Atomausstieg und für gute Bildung. Der geneigte Leser des Darmstädter Monopolblattes fragt sich da natürlich, wenn das so ist, warum wir es dann mit steigender Armut, einer Ausweitung prekärer Arbeitsverhältnisse und Sozialabbau zu tun haben. Üppigst bedient wurden dagegen die Aktionäre für die anstrengende Tätigkeit des Aktien-Haltens (Shareholder). Sie können wahre Freuden-Feuerwerke abbrennen. Um 16% stieg der Wert ihrer Aktien im Durchschnitt - soviel legte der Dax im vergangenen Jahr zu. Und jetzt geht ein wahrer Dividenden-Goldregen auf sie nieder. Insgesamt 25,6 Milliarden Euro an Dividenden aus den Gewinnen 2010 schütten die Dax-30-Konzerne im ersten Halbjahr 2011 aus, 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Die zweithöchste Ausschüttung in der Geschichte des Dax. Top-Dividendenzahler ist wieder einmal der Arbeitsplatzvernichter Telekom, die 3,01 Milliarden Euro ausschüttet, fast doppelt so viel wie der ausgewiesene Jahresgewinn beträgt; gefolgt vom Strom-Riesen E.ON mit 2,86 Milliarden Euro. Die höchsten Dividenden-Renditen erzielten die Stromkonzerne RWE und E.ON mit 7,8% bzw. 7,0%, gefolgt von Telekom 6,5%, Münchner Rück (MunichRe) 5,7% und Deutsche Post 5,2% - Verzinsungen, die sich sehen lassen können. Ausblick 2011: Nach Ansicht aller Finanzdienstleister wird 2011 für die Dax-Konzerne noch profitabler und für die Aktionäre noch lukrativer. Neue Profit- und Dividenden-Rekorde sind angesagt. Gegenspieler nicht erkennbar? Der 1. Mai ist immer der internationale Kampftag der Arbeiterklasse gewesen. Beschäftigte sollten sich also nicht auseinander dividieren lassen - in deutsche Gewerkschafter und Arbeitsmigranten, in so genannte linke Splittergruppen und vermeintlich etablierte Organisationen. Nur gemeinsam lässt sich gegen die oben nur angedeuteten Entwicklungen angehen. Das Vermächtnis der Einheitsgewerkschaft - in der alle, unabhängig ihrer Weltanschauung, Hautfarbe oder politischen Heimat organisiert sind - gilt es zu verteidigen. In einem Punkt hat Paul-Hermann Gruner allerdings recht: Eine zugkräftige, rauflustige und gut vermittelte Vision einer anderen Gesellschaft ist nötig. Dazu könnte allerdings auch das "Echo" einen Beitrag leisten und Parteien und Gruppen, die an einer solchen Vision arbeiten, einfach mal öfter zu Wort kommen lassen anstatt sie planmäßig zu ignorieren und auszublenden. |
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