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Umbenennung Paul-Zander-StraßeLeserbrief zur Ehrung eines Hitler-AnhängersNachfolgend dokumentieren wir einen Leserbrief zum Thema Umbenennung Paul-Zander-Straße, den das Darmstädter Echo nicht abdrucken wollte. Seit Ende der fünfziger Jahre trägt eine kleine Stichstraße in Bad König den Namen des Chirurgen Paul Zander. Niemand stört sich daran, bis dem Bad Königer Bürgermeister Uwe Veith (parteilos) kurz vor Weihnachten im Jahr 2009 der Brief des Gießener Germanistikprofessors Erwin Leibfried ins Rathaus flattert. Im Zuge literarischer Studien war Leibfried auf eine von Zander 1944 gehaltene Lobrede auf Adolf Hitler gestoßen. Obwohl ich kein Einwohner von Bad König bin, möchte ich mich zur Diskussion um die Umbenennung der Paul-Zander-Straße in Bad König äußern. Ich tue dies als Historiker, der seit 25 Jahren eigene Forschungen zur NS-Geschichte durchführt und diese in zahlreichen Publikationen wie auch Vortragsveranstaltungen veröffentlicht. Seit geraumer zeit beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema "Widerstand und Verfolgung im Odenwaldkreis". Gegen Ende dieses Jahres wird im "gelurt", dem Odenwälder Jahrbuch für Kultur und Geschichte, zu lesen sein, was in dieser Hinsicht in Bad König (inkl. Ortsteile) und Brombachtal geschehen ist. Meine bisherigen Forschungen förderten Grauenvolles zu Tage. Das Terrorsystem des Nazi-Faschismus hat auch hier in unserer Heimat JEDEN, den es als Gegner ansah, tyrannisiert. Konkret: Verurteilungen zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen durch eine gleichgeschaltete Justiz, die Willkür zum "Recht" erhob; "Schutzhaft", also Inhaftierung ohne juristische Grundlage, ohne Gerichtsverfahren und -urteil in Gestapogefängnissen mit ihren Folterkerkern, in Straf-, Moor- und Konzentrationslagern. Einige Odenwälder - wenn auch keine Königer - starben in Dachau, einer wurde aus politischen Gründen für verrückt erklärt, zwangssterilisiert und in der Tötungsanstalt Hadamar vergast. Eine Vielzahl von Menschen, die wegen geistiger Behinderung oder Nervenkrankheiten als "lebensunwertes Leben" bezeichnet wurden, erlitten das Gleiche. Die beiden ersten Nachkriegsbürgermeister von Bad König, Philipp Jakob Hofmann und Peter Kunkelmann, waren, wenn auch nur kurz, in "Schutzhaft". Ihr Zeller Amtskollege Georg Grasmück war im KZ und monatelang in Gefängnissen und Zuchthäusern. Prof. Zander konnte davon nichts wissen, weil er damals in Darmstadt tätig war. Doch dort geschah Ähnliches - und dies gehäuft. Ich frage rhetorisch: Wusste er von alldem nichts? Jeder wusste von den Folterkellern der Gestapo im Rundeturm-Gefängnis und im Biergarten. Jeder wusste von Osthofen, Dachau und den Moorlagern. Jeder bekam mit, dass ab 1933 politische Gegner der Nazis, später Juden, sogenannte "Zigeuner", geistig Behinderte für immer verschwanden. Vielleicht WOLLTE Zander davon nichts wissen, aber mit Sicherheit hat der "Gutmensch" davon gehört. Dennoch sprach er noch am 27.4.1945 von seiner "Liebe zur Persönlichkeit Adolf Hitlers". Ich frage weiter, diesmal nicht rhetorisch: Wissen die Anwohner der Zander-Straße, wissen die Einwohner von Bad König von diesen Fakten? Oder wollen auch sie davon nichts hören und wissen? Oder ist es ihnen egal. Die drei Affen lassen grüßen! Zander wurde durch die Straßenbenennung geehrt - aus damaliger Sicht zweifellos zu Recht. Niemand bezweifelt, dass er ein begnadeter Arzt war. Dass der Nachkriegsbürgermeister Hofmann dem Arzt Zander hier sein segensreiches Wirken ermöglichte, ist in Ordnung. Doch darum geht es hier und heute nicht. Ich frage die Stadtverordneten, Magistratsmitglieder und den Herrn Bürgermeister: Hätten Sie persönlich die Straße nach dem "verblendeten Phantasten" benannt, wenn Sie damals an der Entscheidung beteiligt gewesen wären und von seiner Rede und Hitlerverehrung gewusst hätten? Wenn "Nein", dann sollten sie heute die notwendige Konsequenz ziehen. Den Schwarzen Peter an die Bevölkerung weiterzugeben, wäre in diesem Fall feiger Populismus. In Ihrem Kommentar zum Thema warnt Silke Rummel "vor einer voreiligen und womöglich ideologisch motivierten Entscheidung" und davor "es sich bei Paul Zander [...] zu einfach [zu machen], die Straße umzubenennen". Diese Argumentation ist für mich nicht nachvollziehbar. Engagement gegen den Faschismus, nicht nur in Sonntagsreden sondern auch mit Taten, beruht nicht auf Ideologie, sondern auf einer der wissenschaftlich am fundiertesten begründeten Erkenntnis der Geschichte, auf Faktenwissen, das leider in einem Großteil der Bevölkerung fehlt. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Dr. Zander war Sympathisant und Propagandist des größten Verbrechers der Weltgeschichte und seiner kriminellen Vereinigung. Äußerte sich heute jemand zur RAF oder zu den Taliban wie er zu Hitler, griffe der Verfassungsschutz und die Staatsanwaltschaft zu. Bad König darf diesen Menschen nicht weiterhin ehren. Dies wäre ein Schlag in das Gesicht aller Opfer des Naziregimes. Wolfgang Stapp, Ziegelhüttenweg 36, 64739 Höchst |
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