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Darmstadt - Arbeitslos gleich wehrlos?

Kaum war das letzte Neujahrsfeuerwerk verraucht, die unsäglich albernen Neujahrsansprachen von Kohl und Co. mit ihren Lügen und hohlen Phrasen verklungen, holte die Mehrheit der Bevölkerung die harte Realität ein: 4, 8 Millionen Menschen ohne Arbeit, soviel wie nie zuvor seit 1945 in der BRD. Später mußte die Bundesanstalt für Arbeit dann zugeben, daß schon längst die Fünf-Millionen-Grenze überschritten ist. Man hatte kurzerhand über 330.000 Menschen aus der Statistik hinausmanipuliert. Rechnet man jene hinzu, die sich in ABM-Maßnahmen befinden läßt sich diese Zahl weiter nach oben verändern. In der gesamten EU ist die Zahl der Arbeitslosen auf fast 20 Millionen angestiegen.

Jeder sollte sich öfter einmal in Erinnerung rufen, dies geht bei den monatlichen Berichten aus Nürnberg leider allzu oft vergessen, daß es sich hier nicht nur um Zahlen handelt. Hinter dieser ungeheuren Zahl stecken menschliche Schicksale, Wünsche, Hoffnungen, Träume. Diese Menschen wohnen nicht irgendwo, sondern in unserer Nachbarschaft.

Arbeitslosigkeit hat Konsequenzen. Sie ist spürbar für Betroffene selbst, aber auch für Bekannte, Freunde, die Familie. Laut Caritas wächst jedes sechste Kind heute mit Sozialhilfeunterstützung auf, viele Familien können nur noch sehr eingeschränkt Dienstleistungen und angebotene Güter wahrnehmen, Urlaub machen, Freizeitangebote oder verreisen als Indiz für Lebensqualität sind ihnen verwehrt. Ein altes längst überwunden geglaubtes Übel, die Kinderarbeit, nimmt laut Caritasverband wieder zu . Noch nie war der Abstand zwischen Arm und Reich so groß wie heute. "Positiv" entwickelt haben sich nur die Preise. So ist das Leben in der BRD zwischen 1991 und 1997 ein Fünftel teurer geworden. Insbesondere Nahrungsmittel und Mieten haben verstärkt zugelegt.

Auch hier in Darmstadt gibt es Arbeitslose. Im Januar diesen Jahres waren es genau 12.125, davon mehr als 20% über 55 Jahre alt. Auch bei uns nimmt die Langzeitarbeitslosigkeit weiter zu. 37% aller Arbeitslosen sind ein Jahr und länger arbeitslos. Und auch hier trifft es die Schwächsten der Gesellschaft am härtesten: Bei schwerbehinderten Menschen sind mehr als die Hälfte länger arbeitslos. Stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind auch Frauen.

Dem gegenüber stehen 4.550 offene Stellen. Trotz günstiger Auftragslage geht der Personalabbau in den Unternehmen weiter, die Schaffung neuer Arbeitsplätze bleibt vielerorts nur ein Lippenbekenntnis.

Für Jugendliche scheint Dauerarbeitslosigkeit vorprogrammiert ohne Ausbildung. In Darmstadt sind 1.298 Jugendliche unter 25 Jahren als Arbeitslose registriert. Hinzu kommen etliche Jugendliche, die sich in sogenannten "Warteschleifen" befinden.

Wehrlos?

Das Arbeitslose nicht unbedingt auch wehrlos sein müssen bewies der Aktionstag am 5. Februar. In über 200 Städten kam es zu Protestaktionen, zu Demonstrationen und Kundgebungen vor Arbeitsämtern. Obwohl die Aktionen noch lange nicht die Qualität wie in Frankreich erreichten, war dies ein guter Anfang (siehe auch den Bericht in dieser Ausgabe).

Viele resignieren vor der Arroganz der Mächtigen. Doch auch Unmut, Protest und Widerstand wachsen. Denn viele merken, grundlegendes muß sich verändern und sie fragen sich: Wer soll das tun, wenn nicht wir, und wann, wenn nicht jetzt. Die Regierungen fördern Banken, Konzerne und die Reichen und nützen dazu das Geld der arbeitenden Menschen. Wir brauchen jedoch eine Politik für die arbeitenden Menschen und eine Wirtschaft im Interesse der Bevölkerung.

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