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Schwarzbuch des Kommunismus"Linke Helfer" für rechte PolitikEin uns geneigter, leider anonymer, Leser empfahl uns nach der letzten Ausgabe des BLICKPUNKT uns doch einmal mit dem in Frankreich herausgegeben Buch (das dieser Tage auch in deutscher Sprache aufgelegt wird) zu beschäftigen. Dieser Aufforderung kommen wir gerne nach. Der nachfolgende, leicht gekürzte, Artikel erschien in UNSERE ZEIT (UZ), der Zeitung der DKP. Die vollständige Fassung ist beim Kreisvorstand der DKP (siehe Impressum) erhältlich, allerdings unter Angabe von Namen und Adresse. Pünktlich zum 80. Jahrestag der Oktoberrevolution erschien besagtes Buch in Paris, das in reißerischer Aufmachung die Kommunisten weltweit beschuldigt, für 85 Millionen Tote in diesem Jahrhundert verantwortlich zu sein. Der Herausgeber, der ehemalige maoistische "Berufsrevolutionär" Courtois, von dem die umstrittensten Teile des Buches stammen, kommt in willkürlicher Zusammenstellung unterschiedlicher Fakten gar auf 100 Millionen. Er stellt dann diesen 100 Millionen die nach seiner Berechnung nur 25 Millionen Opfer des Nazi-Systems entgegen. Eine einfache Gleichung: Der Kommunismus war viermal verbrecherischer als der Faschismus. Dankbar haben FAZ, Spiegel, Focus u. a. das Thema aufgegriffen, zum Teil auch, um angesichts der gesamten Rechtswende in unserem Land eigene kritische Positionen aus dem Historikerstreit um die Thesen Noltes im Jahr 1986 untertänigst zu revidieren. Die beiden Autoren Nicolaus Werth und Jean Louis Margolin, die die umfangreichsten Beiträge über die UdSSR und die sozialistischen Länder Asiens lieferten, distanzierten sich entschieden von den Schlußfolgerungen des Herausgebers und dem politischen Mißbrauch ihrer Forschungsergebnisse. Nicolaus Werth unterstrich, daß die Erforschung der Gewaltopfer nicht gleichgesetzt werden könne mit der Geschichte des Kommunismus. Für die Sowjetunion summiert er etwa 20 Millionen Tote, eingerechnet der Toten der großen Hungersnot im Ergebnis des Bürgerkrieges, die wohl kaum den Kommunisten angelastet werden können, und denen der Hungersnot 1932/34 im Gefolge der Kollektivierung. Für den "großen Terror" der Jahre 1936-38 nennt er 690 000 Todesurteile. Stützt sich Werth dabei auf Zahlen aus sowjetischen Archiven, so sind die Zahlen aus den Ländern Asiens subjektive Schätzungen. Nicht zufällig erschien dieses Schwarzbuch gerade in Frankreich. Sowohl von Ministerpräsident Jospin als auch von den Medien wurde es als Instrument erkannt, um die Linkskoalition, an der ja auch drei kommunistische Minister beteiligt sind, in Schwierigkeiten zu bringen. Doch es geht in dieser Auseinandersetzung nicht nur um Frankreich. Besorgt stellen großbürgerliche Zeitungen wie die FAZ und die Zürcher Zeitung fest, daß acht Jahre nach der Niederlage des europäischen Sozialismus weiterhin kommunistisch regierte Staaten bestehen, daß zugleich der Unwille über die Folgen der "freien Marktwirtschaft" zunimmt, die Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit wachsen. Ganz in ihrem Sinn ist denn auch Courtois darum besorgt, daß viele Linke an sozialististischen Zielen festhalten und schreibt: "Ihre Symbole - die rote Fahne, die Internationale, die erhobene Faust - erstehen bei jeder großen sozialen Bewegung neu. Che Guevara kommt wieder in Mode. Eindeutig revolutionäre Gruppen dürfen ungehindert an die Öffentlichkeit treten..." Dagegen vor allem soll das Schwarzbuch nach dem Willen des Herausgebers und des Verlags Dämme errichten. Das Schwarzbuch wurde nun auch in Deutschland verlegt. Es wird sicher auch im Wahlkampf zur Verteufelung aller linken Alternativen zur volksfeindlichen Politik der Regierungsparteien eine Rolle spielen. Wir Kommunisten wenden uns gegen die Instrumentalisierung dieses Buches, gegen die Rechtfertigung faschistischer Verbrechen, die Verteufelung die Kampfes um eine sozialistische Zukunft, nicht aber gegen die sachliche und auch für unsere eigene Zukunft notwendige wissenschaftliche Aufarbeitung auch der Fehler, Fehleinschätzungen, Deformationen und schweren Verbrechen, die im Zuge des Versuchs, eine sozialistische Ordnung zu erkämpfen, gemacht wurden und zu ihrer Niederlage nicht unerheblich beitrugen. Eine solche Aufarbeitung kann nur im Rahmen der gesamten Geschichte der kommunistischen Bewegung, ihres Beitrags im Kampf gegen Imperialismus und Krieg, für nationale und koloniale Befreiung, gegen Ausbeutung und Unterdrückung, kurzum, ihrer weltgeschichtlichen und weltverändernden Rolle in unserem Jahrhundert erfolgen. Günter Judick |
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