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Sozialbericht Kranichstein

Zahlen, Fakten und wie weiter....

Im Frühjahr 1998 wurde von der Sozialverwaltung unserer Stadt der erste Sozialbericht Kranichstein vorgelegt, viele Zahlen, Fakten und Daten wurden erhoben, verglichen und dokumentiert, also auf den ersten Blick ein ziemlich beeindruckendes Werk.

Allerdings steckt der Teufel - wie so oft - im Detail:

Viele Nebenschauplätze, die im Bericht eine untergeordnete Rolle spielen und/oder die Situation im Stadtteil beschönigen, sollen an dieser Stelle nicht thematisiert werden, da dies den Artikel sprengen würde, allerdings erscheint es uns dringend notwendig einige Aspekte des Sozialberichtes zumindest kritisch aufzuzeigen, zumal an diesen Punkten anschaulich wird, wie unzureichend die Probleme in unserem Stadtteil vom Magistrat der Stadt Darmstadt ernst genommen werden.

Das Problem der Arbeitslosigkeit und die unzureichenden Versuche, auch der Kommune, diese zu bekämpfen, finden in dem hochgelobten Bericht keinerlei Beachtung, die in Relation zu der Größe des Problems steht.

Die Bereiche Senioren, altengerechte Stadtteilplanung, Altersarmut u.ä. werden nicht thematisiert, ebenso wie die besondere Situation von z.B. behinderten oder kranken Menschen in Kranichstein.

Schon im Vorwort ist von einem niedlichen Nebeneinander verschiedener Kulturen im Stadtteil zu lesen, im gesamten Bericht findet die jugendliche Bandenkriminalität und der sich daraus dringende Handlungsbedarf im sozialpädagogischen Bereich, z.B. durch aufsuchende Sozialarbeit, Streetwork u.ä. keinerlei Erwähnung.

Auch das Problem der Jugendarbeitslosigkeit, unserer Ansicht eine Hauptursache der Verelendung und auch der Jugendkriminalität findet kaum Erwähnung, ein kurzer Querverweis zu Beschäftigungsprojekten greift zu kurz, geht man wie wir von der These aus, das die Jugendkriminalität die direkte Folge von Arbeits- und Perspektivlosigkeit der Jugendlichen auch und insbesondere unseres Stadtteils ist.

Die zum Teil eklatanten sozialen Gegensätze im Stadtteil bleiben unberücksichtigt, denkt man an die Villen im De - la - Fosse - Weg und die Hochhäuser in direkter Nachbarschaft des Pfannmüllerweges.

Die Problematik der steigenden Mieten und der sogenannten zweiten Miete der Mietnebenkosten und der zunehmenden Verarmung gerade der Hochhausbewohnerlnnen des Stadtteils und der damit verbundene soziale Abstieg wird nicht thematisiert.

Überlegungen grundsätzlicher kommunalpolitischer Natur, wie z.B. die Problematik der 2/3 Gesellschaft und das Abschreckungspotential von Armut im allgemeinen und damit verbunden Stadtteilen, mit "Brennpunktartigen Wohngebieten" wird nicht formuliert.

Diese Anmerkungen sollen nur der Beginn einer offenen und kritischen Diskussion mit unseren Leserlnnen sein, die wir an dieser Stelle auffordern wollen, sich mit dem Sozialbericht des Stadtteils zu beschäftigen.

Zeigen wir denen da oben, daß wir auch etwas zu sagen haben und uns nicht nur jedes Wahljahr aufs Neue, als "Stimmvieh" zu den Urnen zitieren lassen, sondern auch zwischen den Wahlgängen durchaus etwas zusagen haben, je lauter desto besser!!!

Der Sozialbericht kann kostenlos beim Magistrat der Stadt Darmstadt, Sozialverwaltung, Frankfurter Str. 71, 64293 Darmstadt angefordert werden.

Till Venders

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