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Jugend in Kranichstein

Aufatmen?

Überschlugen sich Mitte des letzten Jahres noch die Zeitungen über Vandalismus und die Bedrohung durch Jugendbanden in Kranichstein ist es zur Zeit merklich ruhig geworden. Schon im Oktober 99 ließ uns das "Darmstädter Echo" wissen, Kranichstein würde "aufatmen", die Situation im Stadtteil "habe sich entspannt". Ist dies wirklich so?

Die Vorgeschichte

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Problemen mit Jugendlichen in Kranichstein. Größere Gruppen Jugendlicher trafen sich im Hof der Erich Kästner-Schule oder in Teilen des Ökumenischen Gemeindezentrums, aber auch im Bereich der Bushaltestellen oder an den verschiedenen Kranichsteiner Seen. Der Frust über ungenügende Angebote und Treffpunkte im Stadtteil entlud sich leider immer öfter in Zerstörungen und Verschmutzungen. Rivalitäten zwischen Gruppen verschiedener Nationalitäten verschärften dieses Problem noch.

Die beiden Jugendhäuser waren geschlossen, erst Ende letzten Jahres wurde das Ökumenische Jugendhaus wiedereröffnet.

Die Verantwortlichen dieser Stadt reagierten auf dieser Ereignisse wie gewohnt: Verstärkung der Polizeistreifen, das Aussprechen von Platzverweisen oder wie in der Wendelstadt - Anlage mit der Umgestaltung des Platzes. Dies alles soll Jugendliche davon abhalten sich an diesen "unerwünschten Orten" zu treffen. Den Bock schossen dann auch die Verantwortlichen der beiden Kranichsteiner Kirchengemeinden ab: Sie engagierten einen privaten Wachdienst, der die ungebetenen Besucher verscheucht. Um die Hilfssheriffs zu finanzieren rief man anschließend die Gemeindeschäfchen auf eifrig zu spenden.

Die Parteien

Alle diese Probleme, so sollte man meinen, müssten doch eigentlich für die in Kranichstein vertretenen großen "Volksparteien" Anlass sein sich mit diesen Problemen einmal zu befassen. Sieht man sich aber die Aktivitäten von SPD und CDU an, kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, die Leute haben andere Sorgen. Die CDU kämpft unermüdlich um das Wohlbefinden der Bürgerinnen und Bürger und gegen Wildmüll, die SPD stiftet der Kranichsteiner Bevölkerung eine große Ruhebank um ihre dürre Dorflinde(?). Sorgenkind der Parteien sind die Pflege der Grünflächen, hin zu einem "gepflegten und ordentlichen" Kranichstein. Schade nur, dass man soziale Probleme nicht ausrupfen kann wie eine Distel in der Gruberstrasse.

Die Stadt

Glaubt man den Verantwortlichen der Stadt Darmstadt hat man alles gut im Griff. Verstärkte Kontrollgänge des städtischen Ordnungsdienstes sind allerdings derzeit die einzige konkret erkennbare Maßnahme. In einer Magistratsvorlage vom 26. Oktober wird festgestellt, dass die Sozialhilfedichte im statistischen Bezirk 910 um 21% angestiegen ist, im statistischen Bezirk 920 sich innerhalb von drei Jahren verdoppelt hat. Welche Schlussfolgerungen zieht die Stadt?

Man möchte die Stadtteileinrichtungen besser koordinieren, Jugendforen einrichten und stellt dann abschließend fest, dass es ein Umsetzungsdefizit gibt.

Nach der Wiedereröffnung des ök. Jugendhauses wird das Jugendhaus "Der Stall" von der Stadt übernommen. Auf eine Anfrage der DKP Kranichstein nach einer Konzeption an den Sozialdezernenten Grünewald kam als Antwort nur heiße Luft, Ergebnisse der fachlichen Planung könnten zum derzeitigen Zeitpunkt nicht vorgelegt werden. Projekte wie ein lang überfälliges Jugendcafé sollen kommen, die erforderlichen Mittel seien im Jahr 2000 genehmigt (Mittel des Wirtschaftsministeriums in Höhe von 120.000 DM). Konkretere Maßnahmen der Magistratsvorlage wie aufsuchende Jugendarbeit seien "ohne entsprechende Personalkapazitäten nicht zu realisieren". So wird auch immer wieder darauf aufmerksam gemacht, das Konzepte nur unter der Vorgabe "strengster Maßstäbe an Sparsamkeit und der Erschließung kostenneutraler Ressourcen" erarbeitet werden können. Es ist die alte Leier: Maßnahmen ja, nur kosten darf das Ganze nichts.

Was bleibt zu tun?

Kranichstein ist keine Insel. Probleme mit Jugendlichen gibt es auch anderswo. Solange die Gesellschaft nicht in der Lage ist Jugendlichen das Gefühl zu vermitteln, dass man sie braucht, solange wird es auch immer solche Probleme geben. Hohe Jugendarbeitslosigkeit und mangelnde Perspektive als Stichworte. Es gab sicher Zeiten, in denen es Jugendlichen ökonomisch schlechter ging (Nachkriegsgeneration), aber zu keinem Zeitpunkt wurde einer ganzen Generation so deutlich gemacht, dass man sie nicht braucht, dass sie einzig und allein als Kostenfaktor gesehen wird.

Als kurzfristige Maßnahmen könnten wir uns vorstellen:

  • Bereitstellung der Mittel für aufsuchende Jugendarbeit
  • Personelle Aufstockung der Jugendhäuser und Ausweitung der Öffnungszeiten
  • Bessere Unterstützung der Jugendforen
  • Jugendcafé mit Beratungsangeboten
  • Einbeziehung des Bürgerzentrums; spezielle Angebote für Jugendliche (Kino, etc.)
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