DKP Homepage Logo PDS DKP Offene Liste DKP Darmstadt
info@dkp-darmstadt.de

Solitär

Sanieren statt Abreißen

Für die einen ist er "stigmatisiert", das "Symbol für alles Negative in Kranichstein", für die anderen, nämlich viele Mieterinnen und Mieter, ist er ihr Zuhause. Gemeint ist das Solitär, der Pfannmüllerweg 40 - 46 in Kranichstein.

Jetzt, wo der Putz bröckelt, überlegt man bei der Eigentümerin GWH das Hochhaus abzureißen, eine Sanierung sei zu teuer. Schon über ein Jahr sind weite Teile des Hochhauses von Absperrungen umgeben um Bewohner vor herabfallendem Beton zu schützen. Überdies stünden von den ca. 250 Wohneinheiten ungefähr 80 leer.

Das Solitär und die Parteien

Die SPD sprach sich für einen Abriss des Solitärs aus. Sie brachte einen Antrag ins Stadtparlament ein, in dem sie den Magistrat beauftragt, mit der GWH den Abriss auf den Weg zu bringen. Natürlich soll dies erst nach der "sozialverträglichen Umsetzung" der Mieterinnen und Mieter geschehen. Weiter geht noch die Fraktion OS/3, die gleich schrittweise alle anderen Kranichsteiner Hochhäuser mit abreißen lassen würde. Die CDU hüllt sich zu diesem Zeitpunkt noch in Schweigen.

Das Solitär und die GWH

Die hessische Landesregierung hatte mit Wirkung zum 01.01.1987 die Wohnungen der Neue Heimat Südwest übernommen. Entstanden war die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH). Was wurde den Mieterinnen und Mietern damals von der Landesregierung in Person des Ministerpräsidenten Holger Börner alles versprochen! Neue Mietermitbestimmungsrechte wollte man einführen, die Mieten sollten stabil, die Wohnungen bis ins nächste Jahrtausend hinein als Sozialwohnungen erhalten bleiben (aus einem Brief von Holger Börner an die Mieter vom 18.12.86).

Die Mieterinnen und Mieter haben allerdings in den letzten Jahren andere Erfahrungen gemacht: Von Mietermitbestimmung keine Spur, steigende Mieten und Nebenkosten. Viele Rechte der Mieter mussten gegen die GWH per Gericht durchgesetzt werden.

Im Solitär wohnen viele Sozialhilfebezieher. Es würde sicher ein ganz erhebliches Sümmchen zusammenkommen, wenn man die gezahlten Mieten durch das Sozialamt die letzten Jahre addiert. Oder die von vielen geleistete Fehlbelegungsabgabe. Wie aber sieht die Gegenleistung aus? Die GWH wurde aus der Stadtkasse schwindlig bedient und jetzt will man abreißen, weil eine Sanierung zu teuer sei.

Wenig Informationen über die Entscheidung Abriss oder Sanierung erhält der zuständige Mieterbeirat der GWH. Eine entsprechende Sitzung wurde mehrfach verlegt, die Mieterinnen und Mieter werden im Ungewissen gelassen. Anscheinend hofft man in den Vorstandsetagen auf den weiteren Auszug der Bewohner und eine Steigerung der Leerstände

Das Solitär und die Hintergründe

Kranichstein ist nicht erst seit dem geplanten Abriss des Solitär im Gerede. Die Stadt Darmstadt veröffentlichte vor wenigen Monaten ihren zweiten Armutsbericht. Diesem Bericht ist zu entnehmen, dass Kranichstein-Süd in Puncto Sozialhilfe, Schuldnerberatung und Arbeitslosigkeit in Darmstadt eine Spitzenstellung einnimmt. Und für viele bedeutet Hochhaus gleich soziale Probleme. So die Fraktion OS/3 in ihrer weiter oben schon erwähnten Pressemitteilung: Eine Sanierung des Solitär sei "sozialpolitisch kontraproduktiv", das Solitär wird als "Krankheitsherd" bezeichnet. Natürlich darf auch der Hinweis auf die ehemalige DDR nicht fehlen, wo man dazu übergangen sei, Plattenbauten abzubrechen. Ganz davon abgesehen das dies nicht überall stimmt noch eine kleine Anmerkung: Die sozialen Probleme waren in der alten DDR nicht bekannt, die Neubauten in Hochhäusern waren gesuchte Wohnungen mit funktionierenden Hausgemeinschaften. "Problemwohngebiete" wurden diese Siedlungen erst mit den Segnungen der freien Marktwirtschaft, Leerstände gab es erst nachdem viele ehemalige DDR-Bürger im weiten Umkreis keine Arbeit mehr fanden und auch nicht ewig auf die ach so blühenden Landschaften warten wollten. Wer glaubt man müsse nur kleine Einfamilienhäuser bauen und schon sind alle sozialen Probleme gelöst ist auf dem Holzweg.

Auch der SPD, vor zehn Jahren noch Vorkämpfer für Mieterrecht im Stadtteil, dürfte darauf hoffen wenn schon die sozialen Probleme nicht zu lösen sind durch den Abriss die betroffenen Sozialhilfebezieher im Stadtteil loszuwerden.

Das Solitär und die Demokratie

Während der GWH-Vorstand über Abriss oder Sanierung sinniert, die SPD im Stadtparlament Fakten zu schaffen versucht, wird das eigentlich Naheliegenste vernachlässigt. Mit den Menschen, die im Solitär leben, spricht keiner. Sie sind die Betroffenen und werden ausgeklammert.

Die SPD will die Bewohner "sozialverträglich umsetzen". Wie dies in Praxis aussehen soll steht in den Sternen. "Sozialverträglich" ist ein dehnbarer Begriff. Fakt ist aber zunächst für die Betroffenen: Die Wohnung ist weg. Auch der Vorschlag der SPD für eine "interessante städtebauliche Neubebauung" ist ein dehnbarer Begriff. Der soziale Wohnungsbau wurde fast auf Null heruntergefahren. In ganz Hessen wurden 1998 gerade mal 2.800 Wohnungen öffentlich gefördert, dass sind pro Stadt und Gemeinde Hessens im Durchschnitt nicht mal eine einzige Wohnung. In Darmstadt ist die Zahl der öffentlich geförderten Wohnungen schon länger rückläufig. Wer wird also in dieser Neubebauung wohnen? Sicher nicht die derzeitigen Mieterinnen und Mieter des Solitär.

Die Bewohner des Solitärs sind gut beraten für die Erhaltung ihres Hauses und ihrer Wohnungen aktiv zu werden, mit Mieterversammlungen und weiteren Aktionen, die Öffentlichkeit herstellen.

Die DKP fordert:

  • Sanierung des Solitär, kein Abriss
  • Einbeziehung der Mieterinnen und Mieter bei der Sanierung und Neugestaltung
  • Keine Luxussanierung der Wohnungen um sie später besser verkaufen zu können
  • Weg mit der Fehlbelegungsabgabe. Sie dient nicht zur Ankurbelung des sozialen Wohnungsbaus, sondern zum Stopfen von Haushaltslöchern.
Leer
Home
Veranstaltungen
Newsletter DKP Online
Infobrief IDDD
das rote blatt
Fraktion DIE LINKE.
Programm & Diskussion
Weitere Artikel:
· Demokratie & Antifa
· Krieg & Frieden
· Arbeit & Soziales
· Jugend & Bildung
· Frauen
· Umwelt
· Geschichte
· Chemie-Werker Merck
· Kranichstein
· Unser Weg
Kontakt/Service:
· EMail an uns
· Datensicherheit
· Ausgang, Links


Google

Fünf-Finger-Turm

(rss@dkp.de)
Leer